WeGlide Runde 6 sowie OLC 2. Bundesliga und U25-Wertung

Freudenstädter Nachwuchspiloten in Bestform

Von Lothar Schwark 

Auch in der fünften Wertungsrunde der OLC-2.-Segelflugbundesliga sowie der OLC-U25-Wertung waren die Aufwindjäger der Fliegergruppe Freudenstadt nicht zu stoppen. Mit einem weiteren Rundensieg bauten sie ihre Spitzenpositionen weiter aus. Ausschlaggebend waren die starken Leistungen von Anton Harzer mit Copilot Michael Buchthal sowie Marven Gründler und Oskar Haug. Gemeinsam erzielten sie eine Gesamtwertung von 333,39 Speed-Punkten.

Während Gründler und Haug bei den Süddeutschen Segelflugmeisterschaften der Junioren in Winzeln-Schramberg unterwegs waren, starteten Harzer und Buchthal mit dem Duo Discus in Musbach.

Perfekte Bedingungen über dem Schwarzwald

Die letzte Maiwoche brachte außergewöhnlich gute Thermikbedingungen. Viele Segelflieger waren sich einig, dass der Schwarzwald sich von seiner besten Seite zeigte und die Bedingungen zu den stärksten der vergangenen Jahre gehörten. Anton Harzer und Michael Buchthal nutzten diese Voraussetzungen optimal aus. Bei ihrem Jo-Jo-Flug über dem Schwarzwald erreichten sie einen Ligaschnitt von 137,67 km/h und 127,18 Punkten.

Auch Marven Gründler überzeugte mit seinem Discus 2a und erzielte 110,29 km/h sowie 104,04 Punkte. Besonders erfreulich war die Leistung von Oskar Haug. Der Nachwuchspilot schaffte es trotz seiner noch vergleichsweise kurzen Streckenflugerfahrung mit 108,30 km/h und 102,17 Punkten unter die drei schnellsten Vereinspiloten der Runde.

Weitere starke Bundesligaflüge gelangen:

  • Jakob Schick (Mini Nimbus): 103,92 km/h, 98,74 Punkte
  • Hannes Deuble (Discus b WL): 102,04 km/h, 96,95 Punkte

Freudenstadt weiterhin im Spitzenfeld der WeGlide-Wertung

Auch in der WeGlide-Wertung, bei der sowohl Sprint- als auch Distanzleistungen berücksichtigt werden, bleibt die Fliegergruppe Freudenstadt im Spitzenfeld der Baden-Württemberg-Wertung vertreten. Mit 407 Punkten erreichte das Team in Runde 6 einen starken 2. Rundenplatz. In der Sprintwertung gehörten Anton Harzer, Michael Buchthal und Jakob Schick zu den erfolgreichsten Piloten der Runde.

Ebenfalls überzeugend unterwegs war einmal mehr Reiner Haist. Mit seiner Kestrel 17 erreichte er über 355 Kilometer einen Schnitt von 103 km/h und bestätigte damit eindrucksvoll seine Qualitäten als erfahrener Streckenflugpilot.

Gründler verpasst die 1.000-Kilometer-Marke nur knapp

Für ein besonderes Highlight sorgte Marven Gründler bereits am 27. Mai 2026 während des Trainings für die Süddeutschen Meisterschaften. Vom Flugplatz Winzeln-Schramberg aus startete er mit einem Discus 2a zu einem außergewöhnlichen Streckenflug. Nach 10 Stunden und 45 Minuten Flugzeit landete er schließlich auf dem Flugplatz Offenburg – nach beeindruckenden 984 Kilometern.

Zur magischen Marke von 1.000 Kilometern fehlten letztlich nur rund 300 Höhenmeter. Hätte Gründler den Flug noch sicher bis zum Flugplatz Baden-Baden fortsetzen können, hätte sein Bordcomputer die begehrte Vierstelligkeit angezeigt. Noch nach 21 Uhr versuchte er im letzten nutzbaren Aufwind zusätzliche Höhe zu gewinnen. Rückblickend könnte ein frühes Ausklinken aus dem Flugzeugschlepp zu Beginn des Fluges entscheidend gewesen sein, da anschließend längere Zeit kein guter Aufwind gefunden wurde.

Trotzdem wurde die Leistung mit einem hervorragenden 2. Tagesplatz weltweit in der WeGlide-Wertung belohnt.

Hinweis zur Wertung

Eine Korrektur zu den bisherigen Berichten: Sowohl in der OLC-Bundesliga als auch bei WeGlide werden in der Saison 2026 jeweils 17 Wertungsrunden ausgetragen.


Außenlandungen mit Segelflugzeugen sind keine Notlandungen

Anton Harzer landet nach 500 Kilometern sicher bei Wittendorf

Von Lothar Schwark

Immer wieder ist in der Tagespresse von „Notlandungen“ von Segelflugzeugen zu lesen. In den meisten Fällen trifft diese Bezeichnung jedoch nicht zu. Segelflieger sprechen stattdessen von sogenannten Außenlandungen – also geplanten und kontrollierten Landungen auf geeigneten Wiesen oder Äckern.

Außenlandungen sind im Segelflug keineswegs außergewöhnlich. Sie sind im Luftverkehrsgesetz (§ 25 Absatz 1) ausdrücklich zulässig und gehören fest zur Ausbildung von Segelflugpiloten. Da Segelflugzeuge über keinen eigenen Antrieb verfügen, kann nicht immer garantiert werden, dass ein Flugplatz sicher erreicht wird. Reichen die nutzbaren Aufwinde nicht mehr aus und befindet sich kein geeigneter Flugplatz in Reichweite, wird eine Außenlandung notwendig.

Genau dies erlebte nun Anton Harzer von der Fliegergruppe Freudenstadt.

Sicher gelandet nach 500 Kilometern

Nach einem Streckenflug über 500,29 Kilometer musste Harzer mit dem vereinseigenen Ventus C 17,6 m auf einem Feld bei Wittendorf landen. Der Flug endete direkt neben dem Koberhof.

Eigentlich hätten die rund 2.600 Meter Höhe über NN, die Harzer noch in der Nähe von Donaueschingen zur Verfügung standen, problemlos für den Rückflug nach Musbach ausreichen müssen. Doch ein Gegenwind von etwa 20 km/h bremste den Heimflug deutlich aus. Gleichzeitig brachen die Aufwinde zunehmend zusammen.

Harzer entschied sich deshalb frühzeitig und bewusst für eine sichere Außenlandung.

Landung wie im Lehrbuch

Der ausgewählte Acker erschien ideal:

  • leichter Gegenwind
  • leicht ansteigendes Gelände
  • keine Hindernisse
  • keine Personen im Anflugbereich
  • gute Erreichbarkeit für die spätere Rückholung

Wie in der Ausbildung gelernt, flog Harzer den Acker sauber in einer vollständigen Platzrunde an – mit Gegen-, Quer- und Endanflug. Dadurch konnte er den Flugweg exakt einschätzen.

Die Landung verlief mustergültig: Der Ventus setzte sanft auf dem frisch eingesäten Maisacker auf und rollte nach insgesamt 5 Stunden und 39 Minuten Flugzeit ohne den kleinsten Schaden aus.

In der Sprache der Segelflieger heißt es in einem solchen Fall schlicht:

„Ich bin abgesoffen.“

Große Hilfsbereitschaft vor Ort

Auch der Flurschaden blieb minimal. Für solche Fälle verfügen Segelflugzeuge über spezielle Versicherungen, die mögliche Schäden auf Feldern abdecken.

Ein weiterer Vorteil: Direkt neben dem Feld verlief ein asphaltierter Wirtschaftsweg, über den das Flugzeug problemlos zurückgeholt werden konnte.

Der 20-jährige Harzer machte sich anschließend auf den Weg zum nahegelegenen Hof, um Landwirt Ulrich Kober über die Außenlandung zu informieren. Dort erlebte er große Hilfsbereitschaft: Gemeinsam mit weiteren Wittendorfer Bürgern half Kober dabei, das Flugzeug vom Feld auf den Weg zu schieben.

„Da wird Hilfsbereitschaft noch großgeschrieben“,
freute sich Harzer über die herzliche Unterstützung.

Wie groß das Interesse an solchen Ereignissen ist, zeigte sich auch in den sozialen Medien: Ein von Kober veröffentlichtes Instagram-Video der Außenlandung wurde bereits rund 100.000 Mal aufgerufen.

Sicherheit hat oberste Priorität

Gerade bei Streckenflügen gilt für Segelflieger, jederzeit vorausschauend zu planen und immer eine sichere Landemöglichkeit in Reichweite zu haben. Kritische Situationen entstehen meist erst dann, wenn mehrere Fehleinschätzungen zusammenkommen.

Denn anders als bei Motorflugzeugen ist ein Durchstarten mit einem reinen Segelflugzeug nicht möglich.

Anton Harzer fliegt seit seinem 14. Lebensjahr und verfügt bereits über rund 450 Flugstunden Erfahrung.