Marven Gründler und Pirmin Groß knacken die 1.000km Marke
Von Lothar Schwark
Freudenstadt-Musbacher Raum. Ein historischer Moment für die Fliegergruppe Freudenstadt: Mit einem Flug über 1.002,9 Kilometer hat Marven Gründler als erster Pilot einen offiziellen 1.000-Kilometer-Flug mit Start in Musbach absolviert. Der 19-Jährige unterstrich damit einmal mehr sein außergewöhnliches fliegerisches Talent.
Für den Rekordflug nutzte Gründler gemeinsam mit Copilot Pirmin Groß einen Nimbus 4DM, der von einer Haltergemeinschaft aus Piloten der Fliegergruppen Musbach und Winzeln betrieben wird. Das doppelsitzige Segelflugzeug mit Eigenstartmöglichkeit verfügt über eine Spannweite von 26,4 Metern und zählt zu den leistungsfähigsten Segelflugzeugen seiner Klasse.
Unter idealen Bedingungen gleitet der Nimbus 4DM aus 1.000 Metern Höhe bei optimaler Geschwindigkeit rund 60 Kilometer weit – ganz ohne einen einzigen Kreisflug. In der Praxis bestimmen jedoch Wetter, Aufwinde und die Erfahrung der Piloten über Erfolg oder Misserfolg eines Langstreckenfluges.
Gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg
Bereits am Abend des 17. Juni begann für Gründler die intensive Flugvorbereitung. Wie bei allen großen Streckenflügen spielte die Analyse der Wetterentwicklung eine entscheidende Rolle. Heute stehen Segelfliegern dafür hochspezialisierte Wettermodelle zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse des Streckensegelflugs zugeschnitten sind.
Als „Motor“ des Fluges diente ein stabiles Hochdruckgebiet, das außergewöhnlich gute Bedingungen versprach. Die Wetterlage erinnerte an Verhältnisse in Namibia, wo Segelflieger zwischen Oktober und Februar regelmäßig von solchen Bedingungen profitieren.
Für einen erfolgreichen Tausender ist ein früher Start entscheidend. Entsprechend dankbar waren Gründler und Groß, dass Vereinsmitglied Willi Haug beim Start die Tragfläche waagerecht hielt und so einen sicheren Beginn des Rekordfluges ermöglichte.
Schwieriger Start, starke zweite Hälfte
Die ersten Stunden verliefen allerdings nicht reibungslos. Bis in den Südschwarzwald hinein fiel es dem Team schwer, die Kerne der Aufwinde exakt zu treffen.
Erst ab dem westlichen Albtrauf und dem Donautal verbesserten sich die Bedingungen deutlich. In Richtung Ulm entwickelte sich die Thermik zunehmend besser, während sich die Kumuluswolken gleichzeitig mehr und mehr auflösten.
„Da mussten wir uns an kleinen Wolkenfetzen bis in die Höhe des Nördlinger Ries orientieren. Danach fuhr der Thermikofen wieder hoch“, berichtet Gründler.
Der nördlichste Wendepunkt lag kurz vor Ansbach und dem Nürnberger Luftraum.
Schwarzwald wird zum Schlüssel des Erfolgs
Auf dem Rückweg zeigte sich die Schwäbische Alb von ihrer besten Seite. Die Aufwinde wurden stärker, die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg kontinuierlich an.
Entscheidend für den Erfolg war jedoch, dass der Schwarzwald auch nach 17 Uhr noch hervorragende Thermik lieferte. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch rund 300 Kilometer vor dem Team.
Unter einer ausgeprägten Konvergenzlinie konnten Gründler und Groß den Schwarzwald in einem ausgedehnten Jo-Jo-Flug gleich zweimal von Süd nach Nord durchfliegen und so die letzten Kilometer für den Tausender sammeln.
Anschließend glitten sie ins Rheintal hinaus. Rund 15 Kilometer hinter Rheinstetten wurde nach 10 Stunden und 11 Minuten reinem Segelflug erstmals der Motor des Eigenstarters genutzt, um den Heimflug nach Musbach anzutreten.
Eintrag in die Vereinsgeschichte
Mit seinem Flug reiht sich Marven Gründler nun in die Liste der Freudenstädter 1.000-Kilometer-Piloten ein. Bereits zuvor hatten Dirk Reich, Axel Reich, Hansjörg Rothfuss, Frank Popp und Timo Lehrke diese magische Marke erreicht.
Der Unterschied: Ihre Tausender wurden von anderen Flugplätzen aus geflogen. Gründler gelang nun der erste offiziell anerkannte 1.000-Kilometer-Flug mit Start in Musbach.
Damit hat er ein neues Kapitel in der Geschichte der Fliegergruppe Freudenstadt geschrieben. Angesichts der starken Nachwuchspiloten im Verein dürfte es jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Musbacher Segelflieger die magische 1.000-Kilometer-Marke von ihrem Heimatflugplatz aus knacken.