Freudenstadts Aufwindjäger am Ziel ihrer Träume

Abschlussbericht OLC 2. Segelflugbundesliga 2026 – Meistertitel nach 17 Runden

Von Lothar Schwark

Freudenstadt-Musbach. Mit einem überzeugenden Rundensieg in der 17. und letzten Runde haben die Aufwindjäger der Fliegergruppe Freudenstadt ihre herausragende Saison gekrönt: Die Mannschaft gewinnt die OLC 2. Segelflugbundesliga 2026 und sichert sich damit den Deutschen Meistertitel. Auch in der U25-Liga waren die Freudenstädter Nachwuchspiloten erfolgreich und holten den Titel nach Musbach.

Ein Titel für die Ewigkeit

Ein Wermutstropfen begleitet den großen Erfolg: Mit der Saison 2026 endet zugleich die Geschichte des Online Contest (OLC). Nachdem im Frühjahr zunächst unklar gewesen war, ob die Ligawertungen überhaupt noch stattfinden würden, wurden die 1. und 2. Bundesliga schließlich doch noch einmal ausgetragen. Ende September 2026 sollen der OLC und die dazugehörige Segelflugszene aufgelöst werden.

Damit haben sich die Freudenstädter gewissermaßen einen Titel für die Ewigkeit gesichert. Sportlich wäre mit dem Meistertitel zugleich die souveräne Rückkehr in die OLC-Bundesliga verbunden gewesen. Doch das ist nun Geschichte.

Perfektes Flugwetter für die Schlussrunde

Die 17. Runde bot noch einmal hervorragende Bedingungen. Eingeflossene Kaltluft geriet unter Hochdruckeinfluss und sorgte für bestes Segelflugwetter. Die Freudenstädter verzichteten bewusst auf extrem ausgedehnte Langstreckenflüge. Stattdessen lag der Fokus auf der Speedwertung über die schnellsten zwei Stunden – schließlich sollte der Titel mit einem starken Rundenergebnis abgesichert werden.

Das gelang eindrucksvoll.

Marven Gründler zeigte auf dem Ventus C 17,6 m einmal mehr, dass er zu den stärksten Nachwuchspiloten Deutschlands zählt. Mit 121,67 Punkten und 134,44 km/h über die schnellsten zwei Stunden legte er den Grundstein für den Rundensieg.

Ganz kurz sollte sein Flug dennoch nicht werden: Gegen 17 Uhr schwebte Gründler nach 672 Kilometern wieder in Musbach ein. Rund zwei weitere Flugstunden wären an diesem Tag noch möglich gewesen. Bei einem früheren Start hätte die Strecke nach Einschätzung der Piloten durchaus 850 bis 900 Kilometer betragen können.

Schick und Geißler komplettieren das Spitzentrio

Auch Jakob Schick spielte mit seinem Mini Nimbus seine Stärken aus. Über der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald erzielte er 97,69 Punkte bei 102,75 km/h in der Speedwertung. Insgesamt legte Schick 514 Kilometer mit einem Schnitt von 95,7 km/h zurück.

Christof Geißler war zunächst noch als Fluglehrer im Einsatz. Erst gegen 14.30 Uhr startete der erfahrene Streckenpilot mit der HPH 304S Shark zu seinem Sprint über dem Schwarzwald. Mit seiner großen Erfahrung fand er die besten Aufwindlinien und steuerte mit 94,73 Punkten und 107,52 km/h einen weiteren wichtigen Beitrag zum Rundensieg bei.

Zehn Rundensiege in einer außergewöhnlichen Saison

Das lang anhaltende Hochdruckwetter sorgte 2026 immer wieder für hervorragende Segelflugbedingungen über dem Schwarzwald. Die Fliegergruppe Freudenstadt nutzte diese Chancen konsequent und gewann im Saisonverlauf zehn der 17 Runden. Auch in den übrigen gewerteten Runden war die Mannschaft stets unter den Top Ten vertreten. Lediglich zwei Nullrunden mussten die Musbacher hinnehmen – einmal wetterbedingt und einmal aufgrund einer zu dünnen Personaldecke.

Besonders erfreulich war die Entwicklung der jungen Piloten. Sie sammelten im Laufe der Saison immer mehr Erfahrung und konnten zunehmend mit den etablierten Streckenfliegern mithalten.

Starke Mannschaftsleistung als Schlüssel zum Titel

Wie breit die Mannschaft 2026 aufgestellt war, zeigt die Zahl der Piloten, die es mindestens einmal unter die drei schnellsten Freudenstädter einer OLC-Runde schafften:

  • Anton Harzer: 9-mal
  • Martin Haug: 6-mal
  • Marven Gründler: 5-mal
  • Christof Geißler: 4-mal
  • Reiner Haist: 4-mal
  • Frank Popp: 3-mal
  • Hannes Deuble: 3-mal
  • Jakob Schick: 3-mal
  • Martin Pollex: 3-mal
  • Timo Lehrke: 2-mal
  • Oskar Haug: 1-mal
  • Michael Buchthal: 1-mal

Auch der Erfolg in der U25-Liga war eine echte Mannschaftsleistung. Einen wichtigen Anteil daran hatte Daniel Nehajcik. Zweimal gelang es ihm mit Flügen in der Umgebung von Musbach, noch eine gültige Wertung zu erzielen und damit wichtige Punkte für die Juniorenmannschaft zu sichern.

So endet die letzte OLC-Saison für die Fliegergruppe Freudenstadt mit dem größtmöglichen sportlichen Erfolg: Deutscher Meister in der 2. Segelflugbundesliga und Sieger der U25-Liga. Ein würdiger Abschluss einer Ära – und zugleich ein eindrucksvoller Beleg für die Leistungsstärke der Musbacher Streckenflieger.

Wetter wird für Musbach zum Spielverderber

WeGlide Runde 17 sowie OLC Runde 16 und U25-Wertung

Von Lothar Schwark

Kurz vor dem Ziel haben die Aufwindexperten der Fliegergruppe Freudenstadt den 2. Platz in der WeGlide-Regionalliga Baden-Württemberg verpasst. Dieser hätte möglicherweise zur Teilnahme an der Relegation und damit zum Aufstieg in die WeGlide 2. Bundesliga gereicht. Zum Spielverderber wurde ausgerechnet das Wetter.

Abschirmung statt angekündigtem Rennwetter

Noch am Freitag, 14. August, waren die Musbacher Piloten für den Folgetag von hervorragenden Segelflugbedingungen ausgegangen. Doch am Samstagmorgen zeigte sich ein völlig anderes Bild: Der Himmel war nahezu vollständig bedeckt. Die für Südbaden angekündigte Abschirmung hatte sich weiter in Richtung Freudenstadt ausgebreitet. Gegen 9 Uhr setzte zudem leichter Regen ein.

Damit war den meisten Musbacher Piloten schnell klar: An einen erfolgreichen Ligatag war zunächst nicht zu denken. Erst am späten Nachmittag lockerte die Bewölkung auf. Hannes Deuble versuchte es noch mit dem Discus b WL, musste seinen Flug nach 63 Kilometern rund um Musbach jedoch wieder beenden.

Aus Sicht der Segelflieger lag Musbach an diesem Tag rund 50 Kilometer zu weit westlich. Auf der Schwäbischen Alb hielt sich dagegen noch die heiße und trockene Luftmasse. Vor allem auf der Südostseite der Alb herrschten hervorragende Bedingungen. Dort wurden Ligaschnitte von bis zu 156 km/h erzielt, während über Musbach die dichte Bewölkung das Geschehen bestimmte.

Dünne Personaldecke am zweiten Ligatag

Der Sonntag brachte zumindest für einige Stunden fliegbare Bedingungen. Nun machte sich allerdings die dünne Personaldecke bemerkbar. Mehrere Piloten befanden sich noch im Familienurlaub oder waren in den Segelflugrevieren Südfrankreichs und Spaniens unterwegs.

Auch außerhalb Deutschlands wurden starke Streckenflüge absolviert. Jakob Schick mit dem Duo Discus und Joachim Treier mit dem Discus 2c 18 m kamen auf Flüge von jeweils rund 435 Kilometern. Für die entscheidende WeGlide-Regionalwertung halfen diese Auslandsflüge jedoch nicht weiter.

Damit reichte es für die Fliegergruppe Freudenstadt am Ende nicht mehr, den für die Relegation wichtigen zweiten Tabellenplatz zu sichern.

Gründler erlebt in Spanien seinen „Flug des Jahres“

Während in Musbach das Wetter die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Saisonabschluss ausbremste, erlebte Marven Gründler im spanischen Villacastín in der Provinz Segovia außergewöhnliche Segelflugbedingungen.

Gemeinsam mit Valtin Zwerger vom AC Stuttgart war Gründler dort eine Woche lang mit einem Arcus M unterwegs. Pilot und Copilot wechselten sich von Tag zu Tag ab. Bereits in dem für ihn neuen Fluggebiet gelang Gründler auf Anhieb ein Flug über 753 Kilometer.

Am 13. August folgte schließlich ein außergewöhnliches Erlebnis. Als Copilot war Gründler an einem Flug über 1.244 Kilometer beteiligt. Der Arcus M erreichte dabei einen Gesamtschnitt von rund 139 km/h.

„Das war wohl mein größter Flug bisher. Viel mehr geht in reiner Thermik kaum noch“, bilanzierte Gründler.

In der extrem heißen Luft Zentralspaniens traf das Team auf außergewöhnlich starke Aufwinde. Steigwerte von acht bis zwölf Metern pro Sekunde sorgten für Bedingungen, wie sie selbst erfahrene Streckenflieger nur selten erleben. Teilweise stieg der Arcus M mit rund acht Metern pro Sekunde unter den Kumuluswolken.

OLC-Titel zum Greifen nah

Nach dem verpassten zweiten Platz in der WeGlide-Regionalliga richtet sich der Blick der Fliegergruppe nun auf den Saisonabschluss im Online Contest (OLC). In der OLC 2. Segelflugbundesliga ist der Gesamtsieg der Fliegergruppe Freudenstadt nahezu sicher. Nun gilt es, sich mit einem guten Ergebnis aus der Liga zu verabschieden.

Spannend bleibt es auch in der OLC-U25-Wertung. Dort liegen die Freudenstädter Nachwuchspiloten weiterhin knapp vor dem SFZ Ottengrüner Heide. Diesen Vorsprung möchte die Mannschaft in der Schlussrunde verteidigen und damit eine außergewöhnlich erfolgreiche Ligasaison krönen.