Musbacher Piloten erkunden die französischen Seealpen

Anspruchsvolle Alpenflüge zwischen Provence, Mont Blanc und Monte Viso

Von Lothar Schwark

Mindestens einmal im Jahr zieht es einige Musbacher Segelflieger nach Südfrankreich. In den französischen Seealpen finden sie häufig hervorragende Aufwindbedingungen vor. Doch wer die faszinierende Bergwelt rund um die Provence sicher im Segelflug erkunden möchte, benötigt Erfahrung und gute Ortskenntnisse.

Die Piloten müssen sich intensiv mit den unterschiedlichen Talwindsystemen beschäftigen und wissen, wo im Fall der Fälle sichere Außenlandemöglichkeiten vorhanden sind. Gewöhnungsbedürftig ist zudem das Fliegen nahe an den Berghängen – teilweise nur wenige Spannweiten vom Gelände entfernt.

Grund genug für Jakob Schick, gemeinsam mit Michael Buchthal eine Woche nach Château-Arnoux-Saint-Auban zu reisen. Der traditionsreiche Flugplatz ist ein bedeutendes Trainingszentrum des französischen Segelflugs. Mit dabei war auch Joachim Treier, der ebenso wie Buchthal bereits mehrfach in Saint-Auban geflogen ist und entsprechend viel Erfahrung in der Region mitbringt.

Mit Duo Discus und Discus 2c in die Alpen

Die Mitglieder der Fliegergruppe Freudenstadt hatten mit dem Duo Discus WL ihren leistungsfähigen Doppelsitzer nach Südfrankreich gebracht. Treier setzte auf den Discus 2c 18 m der Fliegergruppe Rechntal. Da die Flugleistungen beider Segelflugzeuge gut zusammenpassen, waren die Musbacher während der Flugwoche mehrfach gemeinsam im Teamflug unterwegs.

Dabei erlebten sie die ganze Bandbreite des alpinen Segelflugwetters: von hervorragender Thermik bis hin zu Gewitterlagen, bei denen es darauf ankam, rechtzeitig umzukehren. Mehrfach galt es, die Entwicklung des Wetters genau im Blick zu behalten und die Flugzeuge noch rechtzeitig vor einsetzendem Regen sicher und trocken in der Halle unterzustellen.

Sehr positiv in Erinnerung blieb den Musbachern auch die große Gastfreundschaft der französischen Fliegerkameraden.

Strecken bis zu 672 Kilometern

Während der Woche absolvierten die Freudenstädter Piloten Strecken zwischen 291 und 672 Kilometern. Einige Flüge führten weit hinein in die Alpen und bis in die Region des Matterhorns.

Besonders eindrucksvoll war der Flug am 3.841 Meter hohen Monte Viso vorbei. Der markante Gipfel ist der höchste Berg der Cottischen Alpen und liegt im Nordwesten Italiens nahe der französischen Grenze. Da sich der Berg an diesem Tag ausnahmsweise nicht in Wolken hüllte, eröffnete sich den Piloten ein beeindruckender Blick bis weit hinein in die Poebene.

Zu den Höhepunkten gehörten auch die Flüge in Richtung Mont Blanc.

„Den höchsten Berg der Alpen mit seinen 4.807 Metern aus der Nähe zu erleben, war ein unvergessliches Erlebnis“, berichtet Jakob Schick.

Von erfahrenen Alpenpiloten lernen

Für Schick war es der zweite Segelflugaufenthalt in Frankreich. Mit Treier und Buchthal hatte er zwei erfahrene Strecken- und Alpenpiloten an seiner Seite.

„Es war für mich ein sehr lehrreicher Fliegerurlaub“, bilanziert Schick.

Natürlich kamen dabei auch das Erlebnis der außergewöhnlichen Landschaft und der Urlaubscharakter nicht zu kurz. Für Schick stand jedoch vor allem im Mittelpunkt, sein Wissen aus dem Vorjahr weiter auszubauen und von der Erfahrung seiner beiden Vereinskameraden zu profitieren.

Denn ein sicherer Alpenpilot wird man nicht innerhalb weniger Tage. Die notwendigen Kenntnisse über Gelände, Wetter, Talwindsysteme, Flugwege und Außenlandemöglichkeiten müssen über Jahre hinweg aufgebaut und durch praktische Erfahrung gefestigt werden.

Gewaltige Aufwinde und beeindruckende Landschaften

Besonders in Erinnerung blieben Schick neben den Flügen zum Mont Blanc die außergewöhnlichen Wetterbedingungen. Die große Hitze sorgte teilweise für enorm starke, gleichzeitig aber auch turbulente und böige Aufwinde. Gerade unter solchen Bedingungen kommt es darauf an, das Wetter richtig einzuschätzen und stets ausreichende Sicherheitsreserven einzuplanen.

Für Schick macht genau diese Verbindung aus fliegerischer Herausforderung, Weiterbildung und Naturerlebnis den besonderen Reiz eines Aufenthalts in den französischen Alpen aus:

„Frankreich ist für mich ein Urlaub, den ich mit Erlebnissen und Ausblicken verbinden kann, wie man sie sonst wohl in kaum einer anderen Sportart oder einem anderen Hobby erleben kann.“

So wurde die Woche in Saint-Auban erneut zu einer gelungenen Mischung aus Urlaub und fliegerischer Weiterbildung. Neben vielen außergewöhnlichen Eindrücken nahmen die Musbacher Piloten vor allem zusätzliche flugtechnische Erfahrung sowie wertvolle Wetter- und Ortskenntnisse mit nach Hause.

Ohne ehrenamtliche Fluglehrer geht es nicht

15 Ausbilder sichern bei der Fliegergruppe Freudenstadt den fliegerischen Nachwuchs

Von Lothar Schwark

Der Traum, einmal selbst ein Flugzeug zu steuern, bleibt für viele Menschen unerfüllt. Dabei sind die Hürden zum Einstieg in den Flugsport oft niedriger, als man denkt. Wer Zeit und Engagement mitbringt, kann in vielen Vereinen vergleichsweise kostengünstig das Fliegen erlernen. So auch bei der Fliegergruppe Freudenstadt, bei der ehrenamtliche Fluglehrer die Grundlage für die gesamte Ausbildung bilden.

Von März bis Ende Oktober übernehmen die Fluglehrer jeweils mehrere Wochenenddienste und bringen den Flugschülerinnen und Flugschülern das Fliegen von Grund auf bei. Das geschieht vollständig ehrenamtlich. Auch die Fluglehrer bezahlen ihre eigenen Flüge und Mitgliedsbeiträge wie jedes andere Vereinsmitglied.

Auch Fluglehrer müssen erst lernen zu lehren

Der Weg zur Fluglehrerberechtigung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Einige der älteren Ausbilder absolvierten ihre mehrwöchige Ausbildung noch an der Segelflugschule Hornberg bei Schwäbisch Gmünd. Seit deren Schließung im Jahr 2015 führt der Baden-Württembergische Luftfahrtverband die Ausbildung in strukturierten Lehrgängen am Luftsport-Trainingszentrum Klippeneck durch.

Das kommt auch den veränderten beruflichen Rahmenbedingungen entgegen. Drei Wochen Urlaub am Stück sind für viele Berufstätige heute kaum noch möglich. Die Ausbildung kann deshalb in mehreren Abschnitten absolviert werden.

Bevor die angehenden Fluglehrer zum praktischen Lehrgang zugelassen werden, müssen sie verschiedene fliegerische Mindestanforderungen erfüllen. Anschließend stehen unter anderem Lehrgänge zu Fachwissen und Pädagogik sowie eine rund zweiwöchige praktische Ausbildungsphase auf dem Klippeneck auf dem Programm.

Ehrenamt hält Fliegen bezahlbar

Nur durch dieses ehrenamtliche Engagement ist es möglich, die Pilotenausbildung im Verein zu vergleichsweise günstigen Konditionen anzubieten. Gegenüber einer kommerziellen Flugschule müssen Flugschüler zwar etwas mehr Zeit einplanen, da der Ausbildungsbetrieb überwiegend an den Wochenenden stattfindet. Dafür ist die Ausbildung eng in das Vereinsleben eingebunden und wird von erfahrenen Piloten begleitet.

Den Schwerpunkt bildet in Musbach traditionell der Segelflug. Darüber hinaus wird auch im Ultraleicht-, Motorsegler- und Motorflugbereich ausgebildet. Voraussetzung für diese weiterführenden Ausbildungswege ist bei der Fliegergruppe grundsätzlich, dass zuvor die Segelfluglizenz im Verein erworben wurde. Reine Motorflugpiloten bildet die Fliegergruppe nicht aus.

Alleinflug schon mit 14 Jahren

Im Schulflugbetrieb tragen die Fluglehrer eine besondere Verantwortung. Schließlich können Flugschüler bereits im Alter von 14 Jahren erstmals allein mit einem Segelflugzeug starten.

Nach oben gibt es dagegen kaum eine Altersgrenze: In Musbach haben auch schon Flugschüler jenseits der 70 mit der Ausbildung begonnen.

Derzeit zählt die Fliegergruppe rund zwölf Segelflugschülerinnen und Segelflugschüler. Die große Nachfrage zeigt, wie wichtig eine ausreichend starke Mannschaft an Fluglehrern für die Zukunft des Vereins ist.

Ausbildung vom Segelflug bis zum Motorflug

Mit Esther und Wolfgang Schmalz verfügt der Verein über zwei erfahrene Fluglehrer für die Ausbildung zum PPL(A). Diese Privatpilotenlizenz ermöglicht – abhängig von den jeweiligen Berechtigungen und dem eingesetzten Flugzeug – das Fliegen von einmotorigen Flugzeugen auch über die europäischen Grenzen hinaus.

Axel Reich und Christof Geißler bilden Pilotinnen und Piloten für die LAPL(A) – Light Aircraft Pilot Licence aus. Diese europäische Lizenz ist auf leichtere einmotorige Flugzeuge beschränkt und erlaubt Flüge mit maximal drei Passagieren.

Auch die Ausbildung für die Ultraleicht-Sportpilotenlizenz ist in Musbach möglich. Hier gehört neben den bereits genannten Fluglehrern auch Joachim Treier zum Ausbildungsteam.

Künftig soll zudem Segelfluglehrer Max Zeffler die Lehrberechtigung für Ultraleichtflugzeuge erwerben. Zeffler verfügt darüber hinaus über Berufspilotenerfahrung und war zeitweise auf einer Cessna Citation unterwegs.

15 Fluglehrer sichern die Zukunft

Insgesamt kann die Fliegergruppe Freudenstadt auf 15 Fluglehrer zurückgreifen. Gemeinsam mit der Fliegergruppe Renchtal betreibt sie zudem eine Schulgemeinschaft.

Dass der Verein heute personell so gut aufgestellt ist, ist kein Zufall. Frühzeitig wurde darauf geachtet, altersbedingt ausscheidende Fluglehrer durch geeignete Nachwuchskräfte zu ersetzen und diese an ihre neue Aufgabe heranzuführen.

Dabei nehmen einige Ausbilder für ihren ehrenamtlichen Dienst erhebliche Wege auf sich. So bleibt beispielsweise Martin Haug, der beruflich in Mainz tätig ist, seinem Heimatverein weiterhin als Fluglehrer verbunden und übernimmt regelmäßig Ausbildungsdienste in Musbach.

Ohne dieses Engagement wäre ein kontinuierlicher und zugleich bezahlbarer Ausbildungsbetrieb kaum möglich. Die ehrenamtlichen Fluglehrer sorgen damit nicht nur dafür, dass junge Menschen das Fliegen lernen – sie sichern zugleich die fliegerische Zukunft der Fliegergruppe Freudenstadt.