Zweiter 1.000-Kilometer-Flug mit rein Musbacher Besatzung

Marven Gründler und Constantin Wiegert nutzen außergewöhnliche Thermikbedingungen

Von Lothar Schwark

Der 29. Juli 2026 wird den Segelfliegern der Fliegergruppe Freudenstadt noch lange in Erinnerung bleiben. Außergewöhnliche Hitze sorgte an diesem Tag für Thermik der Spitzenklasse. Die Schwäbische Alb entwickelte sich zu einer regelrechten Rennstrecke für Streckenpiloten, und auch der Schwarzwald zeigte sein beeindruckendes thermisches Potenzial. Diese seltene Wetterlage nutzten Marven Gründler und Constantin Wiegert, die erstmals als rein Musbacher Besatzung einen 1.000-Kilometer-Flug absolvierten. Nach 1.017 Kilometern im reinen Segelflug kehrten sie mit ihrem Nimbus 4DM wieder sicher nach Musbach zurück.

Aus 700 wurden mehr als 1.000 Kilometer

Eigentlich hatte sich Gründler für diesen Tag lediglich einen Flug von etwa 700 Kilometern vorgenommen. Bei einem Start gegen 11 Uhr schien ein Tausender zunächst kaum realistisch, denn für derart lange Flüge wird normalerweise bereits zwischen 9.30 und 10 Uhr gestartet. Doch die Wetterentwicklung übertraf alle Erwartungen. Die Bedingungen erinnerten an die berühmten Thermikreviere Namibias. Allerdings sehen die Musbacher Flieger diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen, denn derartige Hitzelagen treten inzwischen auch in Mitteleuropa immer häufiger auf.

Geduld zu Beginn wurde belohnt

Vor einem Flug dieser Länge gehört eine sorgfältige Vorbereitung dazu. Besonders wichtig war ausreichend Flüssigkeit an Bord, denn bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius können während eines Langstreckenfluges bis zu vier Liter Flüssigkeit verloren gehen..Gleich zu Beginn mussten Gründler und Wiegert jedoch Nervenstärke beweisen.

Querab des Flugplatzes Winzeln-Schramberg geriet der Nimbus 4DM in rund 300 Metern über Grund in das unter Segelfliegern bekannte „Winzelner Thermikloch“. Mit Geduld und sauberer Flugtaktik gelang es der Besatzung jedoch, sich aus dieser kritischen Situation wieder herauszuarbeiten. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich der Flug nahezu perfekt.

Traumhafte Bedingungen wie in Namibia

Bei außergewöhnlich kräftigen Aufwinden erreichten die Piloten Arbeitshöhen von rund 3.000 Metern. Höher durfte aufgrund der Luftraumstruktur ohne Freigabe der Flugsicherung nicht gestiegen werden. Nach Einschätzung Gründlers hätten die Aufwinde problemlos Höhen von 3.500 Metern ermöglicht.

Auf ihrem Jo-Jo-Flug über die Schwäbische Alb steigerten die beiden ihren Durchschnitt kontinuierlich – von zunächst 87 km/h auf schließlich 122 km/h. Nach 8 Stunden und 50 Minuten standen 1.017 Kilometer auf dem Flugschreiber. Der Gesamtschnitt betrug beeindruckende 115 km/h. Besonders eindrucksvoll waren zeitweise Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 160 km/h, die Gründler an die legendären Rennbedingungen in Namibia erinnerten.

Der Endanflug auf Musbach verlief schließlich völlig entspannt – mit ausreichend Höhenreserve bis zur sicheren Landung.

Auch die erfahrenen Piloten nutzten den Traumtag

Nicht nur die Nachwuchspiloten profitierten von den außergewöhnlichen Bedingungen. Frank Popp absolvierte mit seiner DG 800 S 18 m einen 712-Kilometer-Flug. Selbst in 3.000 Metern Höhe sank die Außentemperatur nach seinen Angaben nicht unter 14 Grad Celsius – ein ungewöhnlicher Wert für diese Flughöhen. Popp zeigte sich beeindruckt von der Leistung Gründlers. Sein eigenes Ziel sei es gewesen, einen möglichst hohen Schnitt zu erzielen und dennoch ohne Außenlandung sicher nach Musbach zurückzukehren.

Auch Reiner Haist genoss die außergewöhnlichen Bedingungen. Mit seiner Kestrel 17 WL legte er 608 Kilometer zurück und stellte dabei weniger die Leistung als vielmehr den Genuss des Fliegens in den Vordergrund. Mit einem Discus a erkundete Siheng Yang die Schwäbische Alb. Auf dem Rückflug rettete ihn ein letzter Aufwind in der Nähe des Flugplatzes Oppingen vor einer Außenlandung.

Einen entspannten Feierabendflug absolvierte schließlich Anton Harzer, der am späten Nachmittag mit seinem Ventus C 17,6 m noch 221 Kilometer über dem Nordschwarzwald zurücklegte.

Begeisterung und Nachdenklichkeit

So groß die Freude über einen außergewöhnlichen Segelflugtag auch war, so nachdenklich stimmt viele Piloten die Ursache dieser Wetterlage. Die immer häufiger auftretenden Hitzeperioden schaffen zwar außergewöhnliche Thermikbedingungen, werfen aber zugleich die Frage auf, wie sich der Flugsport und das Wetter in den kommenden Jahrzehnten unter dem Einfluss des Klimawandels entwickeln werden.

Bild: J. Schick

WeGlide Runde 14 und OLC 2. Segelflugbundesliga Runde 13

Turbulenzen erinnerten eher an Rodeoreiten als an Segelfliegen

Von Lothar Schwark

Mit einem 4. Rundenplatz in der 13. Wertungsrunde der OLC-2.-Segelflugbundesliga baute die Fliegergruppe Freudenstadt ihre Führung weiter aus. Nach 13 von 17 Runden führen die Musbacher Aufwindjäger die Tabelle nun mit 219 Punkten an. Auf Rang zwei folgt die FLG Blaubeuren mit 179 Punkten, nachdem die bisher zweitplatzierte SFG Werdenfels nach zwei Nullrunden auf den dritten Gesamtrang zurückfiel.

Damit verfügt die Fliegergruppe inzwischen über ein komfortables Polster. Rechnerisch wären sogar zwei Nullrunden verkraftbar – dennoch möchten die Musbacher Piloten ihre Erfolgsserie mit großem Einsatz fortsetzen.

Wetterglück hat die Seiten gewechselt

Auch an diesem Wochenende lagen Glück und Pech wetterbedingt wieder dicht beieinander. Während die Fliegergruppe Freudenstadt im vergangenen Jahr häufig vom Wetter ausgebremst wurde und vor allem Vereine im Südosten und Nordosten Deutschlands punkteten, scheint sich das Blatt 2026 gewendet zu haben. Der Schwarzwald und die Schwäbische Alb entwickeln sich nahezu jedes Wochenende zu ausgezeichneten Thermikrevieren und bieten ideale Bedingungen für schnelle Streckenflüge.

Reiner Haist erlebt einen turbulenten Flug

Von diesen Bedingungen profitierte auch Reiner Haist, der mit seiner Kestrel 17 einen anspruchsvollen, aber erfolgreichen Flug absolvierte. Die inzwischen mit Winglets ausgestattete Kestrel erhielt durch die aerodynamische Modernisierung nochmals einen deutlichen Leistungsschub. Das traditionsreiche Segelflugzeug wurde bereits 1969 als Glasflügel 401 / Kestrel 17 gebaut und war die Nummer 3 von insgesamt 129 produzierten Exemplaren. Bekannt wurde dieser Flugzeugtyp unter anderem durch den legendären Alpenpiloten Jochen von Kalkreuth, der seine Erlebnisse im Buch „Das stille Abenteuer“ eindrucksvoll schilderte.

„Das fühlte sich eher nach Rodeoreiten an“

Haist beschreibt den zweiten Ligatag als einen der turbulentesten Flüge der Saison. Schon der Wetterbericht hatte Windgeschwindigkeiten von über 25 km/h sowie eine stark zerrissene Thermik angekündigt. Bereits im Flugzeugschlepp waren kräftige Turbulenzen zu spüren.

„Das fühlte sich eher nach Rodeoreiten als nach Segelfliegen an.“

Nach dem Ausklinken hoben starke Aufwinde das Flugzeug rasch auf rund 2.100 Meter über Meereshöhe. Durch den kräftigen Wind reihten sich die Wolken zu langen Wolkenstraßen auf. Oberhalb von etwa 1.600 Metern konnten die Aufwinde vergleichsweise leicht gefunden werden, sodass längere Gleitstrecken entlang der Wolkenstraßen möglich waren. Deutlich anspruchsvoller waren dagegen die Querflüge zur nächsten Wolkenreihe, die jeweils genügend Höhenreserve erforderten. In den stärksten Aufwinden zeigte das Variometer Steigwerte von bis zu sechs Metern pro Sekunde.

Unterhalb von rund 900 Metern über Grund wurde das Finden tragender Thermik dagegen zunehmend schwierig. Am Ende erzielte Haist einen Bundesliga-Schnitt von 95,26 km/h beziehungsweise 88,61 Speed-Punkten. Insgesamt legte er 359 Kilometer über Schwarzwald und Schwäbischer Alb zurück.

Eine besondere Herausforderung stellte anschließend die Landung dar. Bei Seitenwindgeschwindigkeiten von nahezu 40 km/h entstanden starke Turbulenzen im Landeanflug. Entsprechend schwierig war es, den optimalen Aufsetzpunkt exakt zu treffen.

Wichtige Punkte für die Bundesliga

Ebenfalls erfolgreich unterwegs waren Hannes Deuble und Copilot Michael Buchthal. Mit ihrem Duo Discus WL erzielten sie über Schwarzwald und Schwäbische Alb einen Bundesliga-Schnitt von 109,08 km/h beziehungsweise 106,76 Speed-Punkten. Insgesamt legte das Team 390,77 Kilometer zurück. Pech hatte dagegen Martin Haug. Sein 401-Kilometer-Flug konnte aufgrund technischer Probleme nicht in den OLC hochgeladen werden. Andernfalls hätte die Fliegergruppe in der Tageswertung sogar den 2. Rundenplatz erreicht.

In der WeGlide-Runde 14 wurde Haugs Flug jedoch anerkannt. Dadurch konnte die Fliegergruppe ihren 3. Gesamtrang in der Baden-Württemberg-Wertung erfolgreich verteidigen. Der fliegerische Nachwuchs verzichtete angesichts der starken Turbulenzen auf Wertungsflüge und blieb an diesem Wochenende aus Sicherheitsgründen am Boden.