Wetter wird für Musbach zum Spielverderber

WeGlide Runde 17 sowie OLC Runde 16 und U25-Wertung

Von Lothar Schwark

Kurz vor dem Ziel haben die Aufwindexperten der Fliegergruppe Freudenstadt den 2. Platz in der WeGlide-Regionalliga Baden-Württemberg verpasst. Dieser hätte möglicherweise zur Teilnahme an der Relegation und damit zum Aufstieg in die WeGlide 2. Bundesliga gereicht. Zum Spielverderber wurde ausgerechnet das Wetter.

Abschirmung statt angekündigtem Rennwetter

Noch am Freitag, 14. August, waren die Musbacher Piloten für den Folgetag von hervorragenden Segelflugbedingungen ausgegangen. Doch am Samstagmorgen zeigte sich ein völlig anderes Bild: Der Himmel war nahezu vollständig bedeckt. Die für Südbaden angekündigte Abschirmung hatte sich weiter in Richtung Freudenstadt ausgebreitet. Gegen 9 Uhr setzte zudem leichter Regen ein.

Damit war den meisten Musbacher Piloten schnell klar: An einen erfolgreichen Ligatag war zunächst nicht zu denken. Erst am späten Nachmittag lockerte die Bewölkung auf. Hannes Deuble versuchte es noch mit dem Discus b WL, musste seinen Flug nach 63 Kilometern rund um Musbach jedoch wieder beenden.

Aus Sicht der Segelflieger lag Musbach an diesem Tag rund 50 Kilometer zu weit westlich. Auf der Schwäbischen Alb hielt sich dagegen noch die heiße und trockene Luftmasse. Vor allem auf der Südostseite der Alb herrschten hervorragende Bedingungen. Dort wurden Ligaschnitte von bis zu 156 km/h erzielt, während über Musbach die dichte Bewölkung das Geschehen bestimmte.

Dünne Personaldecke am zweiten Ligatag

Der Sonntag brachte zumindest für einige Stunden fliegbare Bedingungen. Nun machte sich allerdings die dünne Personaldecke bemerkbar. Mehrere Piloten befanden sich noch im Familienurlaub oder waren in den Segelflugrevieren Südfrankreichs und Spaniens unterwegs.

Auch außerhalb Deutschlands wurden starke Streckenflüge absolviert. Jakob Schick mit dem Duo Discus und Joachim Treier mit dem Discus 2c 18 m kamen auf Flüge von jeweils rund 435 Kilometern. Für die entscheidende WeGlide-Regionalwertung halfen diese Auslandsflüge jedoch nicht weiter.

Damit reichte es für die Fliegergruppe Freudenstadt am Ende nicht mehr, den für die Relegation wichtigen zweiten Tabellenplatz zu sichern.

Gründler erlebt in Spanien seinen „Flug des Jahres“

Während in Musbach das Wetter die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Saisonabschluss ausbremste, erlebte Marven Gründler im spanischen Villacastín in der Provinz Segovia außergewöhnliche Segelflugbedingungen.

Gemeinsam mit Valtin Zwerger vom AC Stuttgart war Gründler dort eine Woche lang mit einem Arcus M unterwegs. Pilot und Copilot wechselten sich von Tag zu Tag ab. Bereits in dem für ihn neuen Fluggebiet gelang Gründler auf Anhieb ein Flug über 753 Kilometer.

Am 13. August folgte schließlich ein außergewöhnliches Erlebnis. Als Copilot war Gründler an einem Flug über 1.244 Kilometer beteiligt. Der Arcus M erreichte dabei einen Gesamtschnitt von rund 139 km/h.

„Das war wohl mein größter Flug bisher. Viel mehr geht in reiner Thermik kaum noch“, bilanzierte Gründler.

In der extrem heißen Luft Zentralspaniens traf das Team auf außergewöhnlich starke Aufwinde. Steigwerte von acht bis zwölf Metern pro Sekunde sorgten für Bedingungen, wie sie selbst erfahrene Streckenflieger nur selten erleben. Teilweise stieg der Arcus M mit rund acht Metern pro Sekunde unter den Kumuluswolken.

OLC-Titel zum Greifen nah

Nach dem verpassten zweiten Platz in der WeGlide-Regionalliga richtet sich der Blick der Fliegergruppe nun auf den Saisonabschluss im Online Contest (OLC). In der OLC 2. Segelflugbundesliga ist der Gesamtsieg der Fliegergruppe Freudenstadt nahezu sicher. Nun gilt es, sich mit einem guten Ergebnis aus der Liga zu verabschieden.

Spannend bleibt es auch in der OLC-U25-Wertung. Dort liegen die Freudenstädter Nachwuchspiloten weiterhin knapp vor dem SFZ Ottengrüner Heide. Diesen Vorsprung möchte die Mannschaft in der Schlussrunde verteidigen und damit eine außergewöhnlich erfolgreiche Ligasaison krönen.

Timo Lehrke fliegt beim Klippeneck-Wettbewerb auf Platz vier

Starke Leistung in hochklassig besetzter Clubklasse

Von Lothar Schwark

Mit einem hervorragenden 4. Gesamtplatz unter 27 Teilnehmern in der Clubklasse kehrte Timo Lehrke vom diesjährigen Klippeneck-Wettbewerb nach Musbach zurück. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, da sich Lehrke in der Gesamtwertung lediglich Piloten aus der Schweizer Segelflugnationalmannschaft geschlagen geben musste.

Lehrke trat mit seinem Mini Nimbus an. Aufgrund des höheren Bewertungsfaktors seines Flugzeugs musste er gegenüber niedriger eingestuften Flugzeugtypen wie der LS 4a häufig alternative taktische Wege finden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Nur knapp am Tagessieg vorbei

Besonders gut gelang ihm dies im vierten Wertungsflug. Auf der 327 Kilometer langen Tagesaufgabe erreichte Lehrke einen Schnitt von 121,17 km/h und sicherte sich mit 888 Punkten den 2. Tagesplatz.

Lediglich der Schweizer Pascal Zollikofer lag in der Wertung knapp vor ihm. Obwohl Zollikofer mit 119,36 km/h etwas langsamer unterwegs war, erhielt er aufgrund des günstigeren Bewertungsfaktors seines Flugzeugs 897 Punkte. Auch an den übrigen Wertungstagen zeigte Lehrke eine bemerkenswerte Konstanz. Mit den Tagesplatzierungen 11, 6, 10, 2, 6, 5, 8 und 14 bewegte er sich während des gesamten Wettbewerbs überwiegend im Spitzenfeld.

Eine Besonderheit gab es zudem in der Clubklasse: Erstmals seit 1995 konnten dort an allen acht Wettbewerbstagen gültige Wertungsflüge durchgeführt werden. Die anderen Klassen kamen wetterbedingt auf sieben Wertungstage.

„Afrika-Wetter“ über der Schwäbischen Alb

Lehrke zieht ein durchweg positives Fazit:

„Im Großen und Ganzen war es ein sehr schöner Wettbewerb auf hohem Niveau.“

Insgesamt nahmen rund 75 Piloten teil. Besonders erfreulich: Während des gesamten Wettbewerbs gab es keine Schäden. Lehrke lobte zudem das faire und rücksichtsvolle Verhalten der Teilnehmer untereinander.

Das Wetter erinnerte ihn an vielen Tagen an afrikanische Segelflugreviere. Die Wolkenbasis lag häufig zwischen 2.500 und 3.000 Metern über Meereshöhe, die stärksten Aufwinde erreichten bis zu fünf Meter pro Sekunde. Die ersten Wettbewerbstage waren allerdings etwas labiler. Schauer und Gewitter machten die Streckenwahl anspruchsvoll und verlangten den Piloten taktisches Geschick ab. An den besten Tagen war das Tempo enorm. Wer sich mit schwächeren Aufwinden von weniger als etwa 2,5 Metern pro Sekunde zufriedengab, verlor schnell den Anschluss an die Spitzengruppe.

Schweizer Nationalpiloten schwer zu schlagen

Besonders die beiden Schweizer Nationalmannschaftspiloten Pascal Zollikofer und Simon Ganter erwiesen sich als harte Konkurrenten. Lehrke blickt dennoch selbstkritisch auf zwei Situationen zurück, die möglicherweise eine Podiumsplatzierung verhinderten.

Am dritten Wertungstag führte er das Feld zunächst bis in die Gegend von Mengen an. Dort geriet er jedoch in schwächere Warmluft und musste sich aus nur rund 400 Metern über Grund mühsam wieder nach oben arbeiten. Währenddessen fand die Konkurrenz in größerer Höhe bessere Aufwinde und konnte entscheidend davonziehen.

In 300 Metern Höhe den rettenden Aufwind gefunden

Eine weitere Schlüsselsituation erlebte Lehrke am siebten Wertungstag. Gemeinsam mit Ganter und Zollikofer war er auf der Strecke unterwegs. Am Kirnbergsee gelang es ihm sogar, die beiden Schweizer zu übersteigen und vor ihnen abzufliegen. Doch wenig später wurde es spannend: In der Gegend von Rottweil geriet Lehrke tief und stand kurz vor einer Außenlandung. Erst in rund 300 Metern über Grund fand er den rettenden Aufwind.

Nach diesem Schreckmoment kämpfte er sich wieder an das Spitzenfeld heran. Bei Blaubeuren hatte er den Rückstand auf die beiden Schweizer nahezu aufgeholt.

„Ohne diesen Patzer bei Rottweil wäre es richtig gut gelaufen“, bilanziert der Mini-Nimbus-Pilot.

Acht Wertungstage fordern Kondition

Nach acht aufeinanderfolgenden Wertungstagen machte sich schließlich auch die körperliche und mentale Belastung bemerkbar. Stundenlange Flüge im engen Cockpit, hohe Temperaturen und die permanent notwendige Konzentration forderten ihren Tribut.

Umso höher ist Lehrkes 4. Gesamtplatz einzuschätzen. Mit konstant starken Leistungen und mehreren Platzierungen in der Spitzengruppe bewies der Musbacher Pilot, dass er auch in einem hochklassig besetzten Wettbewerbsfeld ganz vorne mithalten kann.