Timo Lehrke fliegt beim Klippeneck-Wettbewerb auf Platz vier

Starke Leistung in hochklassig besetzter Clubklasse

Von Lothar Schwark

Mit einem hervorragenden 4. Gesamtplatz unter 27 Teilnehmern in der Clubklasse kehrte Timo Lehrke vom diesjährigen Klippeneck-Wettbewerb nach Musbach zurück. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, da sich Lehrke in der Gesamtwertung lediglich Piloten aus der Schweizer Segelflugnationalmannschaft geschlagen geben musste.

Lehrke trat mit seinem Mini Nimbus an. Aufgrund des höheren Bewertungsfaktors seines Flugzeugs musste er gegenüber niedriger eingestuften Flugzeugtypen wie der LS 4a häufig alternative taktische Wege finden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Nur knapp am Tagessieg vorbei

Besonders gut gelang ihm dies im vierten Wertungsflug. Auf der 327 Kilometer langen Tagesaufgabe erreichte Lehrke einen Schnitt von 121,17 km/h und sicherte sich mit 888 Punkten den 2. Tagesplatz.

Lediglich der Schweizer Pascal Zollikofer lag in der Wertung knapp vor ihm. Obwohl Zollikofer mit 119,36 km/h etwas langsamer unterwegs war, erhielt er aufgrund des günstigeren Bewertungsfaktors seines Flugzeugs 897 Punkte. Auch an den übrigen Wertungstagen zeigte Lehrke eine bemerkenswerte Konstanz. Mit den Tagesplatzierungen 11, 6, 10, 2, 6, 5, 8 und 14 bewegte er sich während des gesamten Wettbewerbs überwiegend im Spitzenfeld.

Eine Besonderheit gab es zudem in der Clubklasse: Erstmals seit 1995 konnten dort an allen acht Wettbewerbstagen gültige Wertungsflüge durchgeführt werden. Die anderen Klassen kamen wetterbedingt auf sieben Wertungstage.

„Afrika-Wetter“ über der Schwäbischen Alb

Lehrke zieht ein durchweg positives Fazit:

„Im Großen und Ganzen war es ein sehr schöner Wettbewerb auf hohem Niveau.“

Insgesamt nahmen rund 75 Piloten teil. Besonders erfreulich: Während des gesamten Wettbewerbs gab es keine Schäden. Lehrke lobte zudem das faire und rücksichtsvolle Verhalten der Teilnehmer untereinander.

Das Wetter erinnerte ihn an vielen Tagen an afrikanische Segelflugreviere. Die Wolkenbasis lag häufig zwischen 2.500 und 3.000 Metern über Meereshöhe, die stärksten Aufwinde erreichten bis zu fünf Meter pro Sekunde. Die ersten Wettbewerbstage waren allerdings etwas labiler. Schauer und Gewitter machten die Streckenwahl anspruchsvoll und verlangten den Piloten taktisches Geschick ab. An den besten Tagen war das Tempo enorm. Wer sich mit schwächeren Aufwinden von weniger als etwa 2,5 Metern pro Sekunde zufriedengab, verlor schnell den Anschluss an die Spitzengruppe.

Schweizer Nationalpiloten schwer zu schlagen

Besonders die beiden Schweizer Nationalmannschaftspiloten Pascal Zollikofer und Simon Ganter erwiesen sich als harte Konkurrenten. Lehrke blickt dennoch selbstkritisch auf zwei Situationen zurück, die möglicherweise eine Podiumsplatzierung verhinderten.

Am dritten Wertungstag führte er das Feld zunächst bis in die Gegend von Mengen an. Dort geriet er jedoch in schwächere Warmluft und musste sich aus nur rund 400 Metern über Grund mühsam wieder nach oben arbeiten. Währenddessen fand die Konkurrenz in größerer Höhe bessere Aufwinde und konnte entscheidend davonziehen.

In 300 Metern Höhe den rettenden Aufwind gefunden

Eine weitere Schlüsselsituation erlebte Lehrke am siebten Wertungstag. Gemeinsam mit Ganter und Zollikofer war er auf der Strecke unterwegs. Am Kirnbergsee gelang es ihm sogar, die beiden Schweizer zu übersteigen und vor ihnen abzufliegen. Doch wenig später wurde es spannend: In der Gegend von Rottweil geriet Lehrke tief und stand kurz vor einer Außenlandung. Erst in rund 300 Metern über Grund fand er den rettenden Aufwind.

Nach diesem Schreckmoment kämpfte er sich wieder an das Spitzenfeld heran. Bei Blaubeuren hatte er den Rückstand auf die beiden Schweizer nahezu aufgeholt.

„Ohne diesen Patzer bei Rottweil wäre es richtig gut gelaufen“, bilanziert der Mini-Nimbus-Pilot.

Acht Wertungstage fordern Kondition

Nach acht aufeinanderfolgenden Wertungstagen machte sich schließlich auch die körperliche und mentale Belastung bemerkbar. Stundenlange Flüge im engen Cockpit, hohe Temperaturen und die permanent notwendige Konzentration forderten ihren Tribut.

Umso höher ist Lehrkes 4. Gesamtplatz einzuschätzen. Mit konstant starken Leistungen und mehreren Platzierungen in der Spitzengruppe bewies der Musbacher Pilot, dass er auch in einem hochklassig besetzten Wettbewerbsfeld ganz vorne mithalten kann.

WeGlide Runde 16 sowie OLC 2. Segelflugbundesliga und U25

Schwarzwald wird zum Aufwindparadies

Von Lothar Schwark

Mit einem weiteren Rundensieg festigte die Fliegergruppe Freudenstadt ihre Spitzenposition in der OLC-2.-Segelflugbundesliga. Auch in der WeGlide-Runde 16 lief es hervorragend: Die Musbacher Aufwindjäger eroberten den 2. Gesamtplatz zurück und haben damit weiterhin die Chance auf den Aufstieg in die WeGlide-2.-Bundesliga.

Allerdings beträgt der Vorsprung auf den drittplatzierten SFC Schwäbisch Hall lediglich 29 Punkte. In der abschließenden WeGlide-Runde 17 heißt es daher noch einmal, alles zu geben. Gelingt es, Rang zwei zu verteidigen, wartet die Relegation – und damit die Chance auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

In der OLC-2.-Segelflugbundesliga sieht die Situation für die Fliegergruppe noch besser aus. Der Vorsprung auf die FLG Blaubeuren beträgt mittlerweile 39 Punkte. Um die Musbacher noch abzufangen, müsste die Konkurrenz in den verbleibenden Runden nahezu optimal punkten, während Freudenstadt leer ausgeht. Angesichts der bisherigen Saisonleistung dürfen die Musbacher daher weiterhin vom Meistertitel träumen.

Später Start, hervorragende Bedingungen

Der erste Ligatag brachte einmal mehr ausgezeichnetes Segelflugwetter. Obwohl sich nur wenige sichtbare Kumuluswolken bildeten, wurden in der Blauthermik außergewöhnlich hohe Schnittgeschwindigkeiten erreicht. Danach sah es in Musbach zunächst allerdings nicht aus. Da am Samstag kein Schlepppilot für einen frühen Start zur Verfügung stand, blieb den Streckenpiloten nur der Windenstart. Erst beim zweiten Versuch gelang es gegen 15 Uhr, Anschluss an die hochreichende Thermik zu finden.

Die nutzbare Arbeitshöhe reichte bis knapp 2.950 Meter. Nach Einschätzung von Anton Harzer wären bei entsprechender Luftraumfreigabe sogar deutlich größere Höhen möglich gewesen.

Harzer und Pollex im schnellen Teamflug

Harzer war mit der HPH 304 S Shark 18 m unterwegs und nutzte die außergewöhnlichen Bedingungen für einen schnellen Jo-Jo-Flug über dem Schwarzwald. Über die schnellsten zwei Stunden erzielte er 111,69 Speed-Punkte bei einem Schnitt von 126,77 km/h. Insgesamt legte er trotz des späten Starts beeindruckende 528,39 Kilometer zurück.

Ebenfalls ein starkes Rennen lieferte Martin Pollex mit dem Ventus C 17,6 m ab. Im Teamflug mit Harzer erreichte er 113,76 Speed-Punkte und einen Schnitt von 125,71 km/h. Insgesamt standen am Ende 525,32 Kilometer auf dem Flugschreiber.

Reiner Haist weiterhin in Bestform

Einmal mehr zeigte auch Reiner Haist, dass mit ihm und seiner Kestrel 17 weiterhin zu rechnen ist. Mit 116,87 Speed-Punkten und einem Schnitt von 125,63 km/h gehörte er zu den schnellsten Freudenstädter Piloten. Haist zeigte sich beeindruckt davon, welche außergewöhnlichen Thermikbedingungen der Schwarzwald in dieser Saison immer wieder bietet.

Kaltfront beendet den zweiten Ligatag

Am zweiten Ligatag startete Christof Geißler mit der HPH 304 S Shark. Gerade noch rechtzeitig vor der heranziehenden Abschirmung einer Kaltfront gelang ihm ein wertvoller Bundesliga-Flug. Seine Strecke führte bis in die Gegend des Hotzenwaldes. Über die schnellsten zwei Stunden erzielte Geißler 103,42 Speed-Punkte bei 117,38 km/h. Insgesamt legte er noch 271,12 Kilometer zurück.

An diesem Tag waren die Piloten auf der Schwäbischen Alb im Vorteil, da die herannahende Wetterfront dort erst am Abend eintraf. Auch Timo Lehrke, der parallel am Klippeneck-Wettbewerb teilnahm, steuerte mit seinem Mini Nimbus eine weitere starke Leistung bei. Er erreichte 98,84 Speed-Punkte bei einem Schnitt von 103,84 km/h.

Erfahrung und Nachwuchs als Erfolgsrezept

Die bisherige Saison zeigt, wie wertvoll die Mischung aus erfahrenen Streckenflugpiloten und engagiertem Nachwuchs für die Fliegergruppe ist. Die jüngeren Piloten profitieren von den Tipps und der Erfahrung der langjährigen Thermikexperten und setzen dieses Wissen zunehmend erfolgreich auf ihren eigenen Streckenflügen um.

Ob sich die außergewöhnlichen Segelflugbedingungen des Jahres 2026 so schnell wiederholen werden, bleibt abzuwarten. Bei aller Freude über die vielen hervorragenden Flugtage sehen die Musbacher Piloten die anhaltende Trockenheit allerdings auch mit Sorge. Gegen einige Regentage hätte daher niemand etwas einzuwenden – sie müssten ja nicht unbedingt aufs Wochenende fallen.