Außenlandungen mit Segelflugzeugen sind keine Notlandungen

Anton Harzer landet nach 500 Kilometern sicher bei Wittendorf

Von Lothar Schwark

Immer wieder ist in der Tagespresse von „Notlandungen“ von Segelflugzeugen zu lesen. In den meisten Fällen trifft diese Bezeichnung jedoch nicht zu. Segelflieger sprechen stattdessen von sogenannten Außenlandungen – also geplanten und kontrollierten Landungen auf geeigneten Wiesen oder Äckern.

Außenlandungen sind im Segelflug keineswegs außergewöhnlich. Sie sind im Luftverkehrsgesetz (§ 25 Absatz 1) ausdrücklich zulässig und gehören fest zur Ausbildung von Segelflugpiloten. Da Segelflugzeuge über keinen eigenen Antrieb verfügen, kann nicht immer garantiert werden, dass ein Flugplatz sicher erreicht wird. Reichen die nutzbaren Aufwinde nicht mehr aus und befindet sich kein geeigneter Flugplatz in Reichweite, wird eine Außenlandung notwendig.

Genau dies erlebte nun Anton Harzer von der Fliegergruppe Freudenstadt.

Sicher gelandet nach 500 Kilometern

Nach einem Streckenflug über 500,29 Kilometer musste Harzer mit dem vereinseigenen Ventus C 17,6 m auf einem Feld bei Wittendorf landen. Der Flug endete direkt neben dem Koberhof.

Eigentlich hätten die rund 2.600 Meter Höhe über NN, die Harzer noch in der Nähe von Donaueschingen zur Verfügung standen, problemlos für den Rückflug nach Musbach ausreichen müssen. Doch ein Gegenwind von etwa 20 km/h bremste den Heimflug deutlich aus. Gleichzeitig brachen die Aufwinde zunehmend zusammen.

Harzer entschied sich deshalb frühzeitig und bewusst für eine sichere Außenlandung.

Landung wie im Lehrbuch

Der ausgewählte Acker erschien ideal:

  • leichter Gegenwind
  • leicht ansteigendes Gelände
  • keine Hindernisse
  • keine Personen im Anflugbereich
  • gute Erreichbarkeit für die spätere Rückholung

Wie in der Ausbildung gelernt, flog Harzer den Acker sauber in einer vollständigen Platzrunde an – mit Gegen-, Quer- und Endanflug. Dadurch konnte er den Flugweg exakt einschätzen.

Die Landung verlief mustergültig: Der Ventus setzte sanft auf dem frisch eingesäten Maisacker auf und rollte nach insgesamt 5 Stunden und 39 Minuten Flugzeit ohne den kleinsten Schaden aus.

In der Sprache der Segelflieger heißt es in einem solchen Fall schlicht:

„Ich bin abgesoffen.“

Große Hilfsbereitschaft vor Ort

Auch der Flurschaden blieb minimal. Für solche Fälle verfügen Segelflugzeuge über spezielle Versicherungen, die mögliche Schäden auf Feldern abdecken.

Ein weiterer Vorteil: Direkt neben dem Feld verlief ein asphaltierter Wirtschaftsweg, über den das Flugzeug problemlos zurückgeholt werden konnte.

Der 20-jährige Harzer machte sich anschließend auf den Weg zum nahegelegenen Hof, um Landwirt Ulrich Kober über die Außenlandung zu informieren. Dort erlebte er große Hilfsbereitschaft: Gemeinsam mit weiteren Wittendorfer Bürgern half Kober dabei, das Flugzeug vom Feld auf den Weg zu schieben.

„Da wird Hilfsbereitschaft noch großgeschrieben“,
freute sich Harzer über die herzliche Unterstützung.

Wie groß das Interesse an solchen Ereignissen ist, zeigte sich auch in den sozialen Medien: Ein von Kober veröffentlichtes Instagram-Video der Außenlandung wurde bereits rund 100.000 Mal aufgerufen.

Sicherheit hat oberste Priorität

Gerade bei Streckenflügen gilt für Segelflieger, jederzeit vorausschauend zu planen und immer eine sichere Landemöglichkeit in Reichweite zu haben. Kritische Situationen entstehen meist erst dann, wenn mehrere Fehleinschätzungen zusammenkommen.

Denn anders als bei Motorflugzeugen ist ein Durchstarten mit einem reinen Segelflugzeug nicht möglich.

Anton Harzer fliegt seit seinem 14. Lebensjahr und verfügt bereits über rund 450 Flugstunden Erfahrung.