Martin Pollex gelingt Spätsommer-600er

608 Kilometer im September – Musbacher Piloten nutzen außergewöhnlich gute Spätsommerthermik

Von Lothar Schwark

Die OLC- und WeGlide-Ligawertungen sind abgeschlossen. Doch für die Musbacher Aufwindjäger ist die Streckenflugsaison noch lange nicht vorbei. Bis zum 30. September 2026 gilt es, die Führung in der Vereinswertung der Region Rhein-Neckar-Enz zu verteidigen. Aktuell liegt die Fliegergruppe Freudenstadt mit 43.927 Punkten an der Spitze, dicht gefolgt von der LSG Rheinstetten mit 43.335 Punkten.

Der erste Herbstmonat bescherte den Segelfliegern am 12. September noch einmal ausgezeichnetes Streckenflugwetter. Diese Gelegenheit wollten sich Martin Pollex und Frank Popp nicht entgehen lassen.

608 Kilometer mit 101 km/h Schnitt

Am Abend kehrte Pollex nach einem beeindruckenden Flug über 608 Kilometer nach Musbach zurück. Mit einem Ventus C 17,6 m erreichte er dabei einen Schnitt von 101 km/h. Vermutlich war dies der erste reine Thermikflug über mehr als 600 Kilometer, der vom Musbacher Flugplatz aus in einem September gelang. Pollex nutzte dabei die Aufwinde über dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. Im gleichen Gebiet war Frank Popp mit einer DG-800S 15 m unterwegs und brachte ebenfalls beachtliche 583 Kilometer zusammen.

Auch in der WeGlide-Tageswertung konnten sich die beiden Leistungen sehen lassen. In der Deutschlandwertung erreichte Pollex Tagesplatz 8, Popp folgte auf Platz 11. International belegte Pollex unter 1.323 Teilnehmern Platz 28, Popp kam auf Platz 31.

Sehr gute Segelflugbedingungen herrschten an diesem Tag auch in der Schweiz und in Frankreich.

80 Kilometer ohne einen einzigen Kreis

Dabei hatte selbst Pollex nicht mit derart guten Bedingungen gerechnet:

„Die Wettervorhersage war schon gut, aber damit, dass es so gut wird, hat keiner gerechnet.“

Als Pollex und Popp erkannten, dass sich erste Wolkenstraßen nach Norden entwickelten, starteten sie gegen 11 Uhr ohne Wasserballast.

Eine dieser Wolkenstraßen erwies sich als außergewöhnlich ergiebig. Pollex konnte mit seinem Ventus rund 80 Kilometer ohne einen einzigen Kreis und praktisch ohne Höhenverlust zurücklegen. Da die Wolkenstraße jedoch direkt in Richtung des Stuttgarter Luftraums führte, musste er schließlich umdrehen.

Zunächst sahen die Bedingungen in Richtung Südschwarzwald weniger vielversprechend aus. Doch bei Winzeln fand Pollex einen kräftigen Aufwind mit drei Metern pro Sekunde.

Nach der Wende im Südschwarzwald führte die Strecke in Richtung Ulm. Dort wurden die Steigwerte zunehmend schwächer. Dennoch konnte Pollex seinen hohen Schnitt halten, da die nutzbaren Aufwindwolken eng beieinanderstanden und damit schnelle Übergänge ermöglichten.

„Unglaublich, was so spät in der Saison noch geht“, fasste Pollex seinen Flug zusammen.

2.247 Kilometer über der Sierra Nevada

Wie außergewöhnlich der 12. September international war, zeigte auch ein Blick auf die WeGlide-Tageswertung. Den ersten Platz belegten Gordon Boettger und Copilot Brad Jackson mit einem Arcus J. Ihr Flug über der Sierra Nevada in den USA führte über beeindruckende 2.247 Kilometer.

Das Team startete um 20.47 Uhr in Minden-Tahoe zu einem Wellenflug, der überwiegend in der Nacht stattfand. Über der rund 760 Kilometer langen Sierra Nevada hatten sich ausgeprägte Wellensysteme gebildet, die auf einem Jo-Jo-Kurs mit mehreren Wenden genutzt wurden.

Boettgers Arcus J ist speziell für solche Nachtflüge ausgerüstet. Dabei kommt auch Nachtsichttechnik zum Einsatz. Die Piloten nutzen starke atmosphärische Wellen, die sich bei entsprechenden Windlagen im Lee der Sierra Nevada ausbilden und Segelflüge in große Höhen ermöglichen.

Solche Flüge stellen höchste Anforderungen an Piloten und Ausrüstung. Neben starken Winden können sich im Bereich der Wellen auch Rotoren mit erheblichen Turbulenzen entwickeln.

Saison geht in die Schlussphase

Für die Musbacher Piloten war der 12. September noch einmal ein eindrucksvoller Beweis dafür, welches Streckenflugpotenzial selbst im beginnenden Herbst möglich ist. Gleichzeitig werden die Chancen auf solche Flüge nun von Woche zu Woche kleiner. Mit den kürzer werdenden Tagen nimmt auch die Dauer der nutzbaren Thermik ab.

Umso wertvoller sind die 608 Kilometer von Martin Pollex und die 583 Kilometer von Frank Popp – nicht zuletzt im Kampf um die Vereinswertung der Region Rhein-Neckar-Enz.