WeGlide Runde 14 und OLC 2. Segelflugbundesliga Runde 13

Turbulenzen erinnerten eher an Rodeoreiten als an Segelfliegen

Von Lothar Schwark

Mit einem 4. Rundenplatz in der 13. Wertungsrunde der OLC-2.-Segelflugbundesliga baute die Fliegergruppe Freudenstadt ihre Führung weiter aus. Nach 13 von 17 Runden führen die Musbacher Aufwindjäger die Tabelle nun mit 219 Punkten an. Auf Rang zwei folgt die FLG Blaubeuren mit 179 Punkten, nachdem die bisher zweitplatzierte SFG Werdenfels nach zwei Nullrunden auf den dritten Gesamtrang zurückfiel.

Damit verfügt die Fliegergruppe inzwischen über ein komfortables Polster. Rechnerisch wären sogar zwei Nullrunden verkraftbar – dennoch möchten die Musbacher Piloten ihre Erfolgsserie mit großem Einsatz fortsetzen.

Wetterglück hat die Seiten gewechselt

Auch an diesem Wochenende lagen Glück und Pech wetterbedingt wieder dicht beieinander. Während die Fliegergruppe Freudenstadt im vergangenen Jahr häufig vom Wetter ausgebremst wurde und vor allem Vereine im Südosten und Nordosten Deutschlands punkteten, scheint sich das Blatt 2026 gewendet zu haben. Der Schwarzwald und die Schwäbische Alb entwickeln sich nahezu jedes Wochenende zu ausgezeichneten Thermikrevieren und bieten ideale Bedingungen für schnelle Streckenflüge.

Reiner Haist erlebt einen turbulenten Flug

Von diesen Bedingungen profitierte auch Reiner Haist, der mit seiner Kestrel 17 einen anspruchsvollen, aber erfolgreichen Flug absolvierte. Die inzwischen mit Winglets ausgestattete Kestrel erhielt durch die aerodynamische Modernisierung nochmals einen deutlichen Leistungsschub. Das traditionsreiche Segelflugzeug wurde bereits 1969 als Glasflügel 401 / Kestrel 17 gebaut und war die Nummer 3 von insgesamt 129 produzierten Exemplaren. Bekannt wurde dieser Flugzeugtyp unter anderem durch den legendären Alpenpiloten Jochen von Kalkreuth, der seine Erlebnisse im Buch „Das stille Abenteuer“ eindrucksvoll schilderte.

„Das fühlte sich eher nach Rodeoreiten an“

Haist beschreibt den zweiten Ligatag als einen der turbulentesten Flüge der Saison. Schon der Wetterbericht hatte Windgeschwindigkeiten von über 25 km/h sowie eine stark zerrissene Thermik angekündigt. Bereits im Flugzeugschlepp waren kräftige Turbulenzen zu spüren.

„Das fühlte sich eher nach Rodeoreiten als nach Segelfliegen an.“

Nach dem Ausklinken hoben starke Aufwinde das Flugzeug rasch auf rund 2.100 Meter über Meereshöhe. Durch den kräftigen Wind reihten sich die Wolken zu langen Wolkenstraßen auf. Oberhalb von etwa 1.600 Metern konnten die Aufwinde vergleichsweise leicht gefunden werden, sodass längere Gleitstrecken entlang der Wolkenstraßen möglich waren. Deutlich anspruchsvoller waren dagegen die Querflüge zur nächsten Wolkenreihe, die jeweils genügend Höhenreserve erforderten. In den stärksten Aufwinden zeigte das Variometer Steigwerte von bis zu sechs Metern pro Sekunde.

Unterhalb von rund 900 Metern über Grund wurde das Finden tragender Thermik dagegen zunehmend schwierig. Am Ende erzielte Haist einen Bundesliga-Schnitt von 95,26 km/h beziehungsweise 88,61 Speed-Punkten. Insgesamt legte er 359 Kilometer über Schwarzwald und Schwäbischer Alb zurück.

Eine besondere Herausforderung stellte anschließend die Landung dar. Bei Seitenwindgeschwindigkeiten von nahezu 40 km/h entstanden starke Turbulenzen im Landeanflug. Entsprechend schwierig war es, den optimalen Aufsetzpunkt exakt zu treffen.

Wichtige Punkte für die Bundesliga

Ebenfalls erfolgreich unterwegs waren Hannes Deuble und Copilot Michael Buchthal. Mit ihrem Duo Discus WL erzielten sie über Schwarzwald und Schwäbische Alb einen Bundesliga-Schnitt von 109,08 km/h beziehungsweise 106,76 Speed-Punkten. Insgesamt legte das Team 390,77 Kilometer zurück. Pech hatte dagegen Martin Haug. Sein 401-Kilometer-Flug konnte aufgrund technischer Probleme nicht in den OLC hochgeladen werden. Andernfalls hätte die Fliegergruppe in der Tageswertung sogar den 2. Rundenplatz erreicht.

In der WeGlide-Runde 14 wurde Haugs Flug jedoch anerkannt. Dadurch konnte die Fliegergruppe ihren 3. Gesamtrang in der Baden-Württemberg-Wertung erfolgreich verteidigen. Der fliegerische Nachwuchs verzichtete angesichts der starken Turbulenzen auf Wertungsflüge und blieb an diesem Wochenende aus Sicherheitsgründen am Boden.

Marven Gründler fliegt bei der Lilienthal Glide in die Top Ten

 

Platz 9 in einem hochklassig besetzten Teilnehmerfeld

Von Lothar Schwark

Lüsse/Brandenburg. Mit einem hervorragenden 9. Gesamtrang kehrte Marven Gründler von der Fliegergruppe Freudenstadt von der diesjährigen Lilienthal Glide in Lüsse zurück. In der stark besetzten Offenen Klasse sammelte der Nachwuchspilot wertvolle Wettkampferfahrung und behauptete sich gegen zahlreiche nationale und internationale Spitzenpiloten. Gründler startete mit einem Nimbus 4DM, einem doppelsitzigen Segelflugzeug der Offenen Klasse mit einer Spannweite von 26,4 Metern und Eigenstartmotor. Während der Motor ausschließlich für den Start genutzt wird und anschließend eingefahren bleibt, würde ein erneutes Ausfahren während des Fluges den Wertungsflug beenden. Jeder Motorlauf wird dabei vom Flugdatenschreiber (Logger) lückenlos dokumentiert.

Prominente Unterstützung im Cockpit

An den ersten Wettbewerbstagen wurde Gründler von Manfred Dick unterstützt. Dick wurde bereits 1979 Deutscher Meister der Offenen Klasse und schrieb 1990 Segelfluggeschichte, als er von Aachen aus den ersten 1.000-Kilometer-Zielrückkehrflug nach Frankreich absolvierte. Zudem gehörte er zu den ersten Piloten, die ein Förderflugzeug des Segelflug-Förderprogramms nutzen konnten, und engagierte sich viele Jahre intensiv in der Jugend- und Kaderförderung. An den letzten Wettbewerbstagen übernahm der amtierende Juniorenweltmeister Max Maslak aus Bonn-Hangelar den Platz im Cockpit, da Manfred Dick geschäftlich verhindert war.

Hochklassiges Teilnehmerfeld

Die Konkurrenz in Lüsse war außergewöhnlich stark. Mehrere ehemalige Weltmeisterschaftspiloten, darunter Bruno Gantenbrink und Uli Schwenk, sorgten für ein sportlich hochklassiges Niveau. Zwar werden die Flugleistungen durch ein Handicap-System vergleichbar gemacht, dennoch hatten ältere Konstruktionen wie der Nimbus 4DM oder die ASW 22 BLE gegenüber modernen Hochleistungsflugzeugen wie der EB 29, der JS 5 oder der NimEtaX mit ihrer Spannweite von bis zu 30,9 Metern aerodynamische Nachteile. Bei den sogenannten Assigned Area Tasks (AAT), bei denen innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters Wendekreise möglichst taktisch optimal ausgeflogen werden müssen, konnten diese Nachteile jedoch teilweise durch geschickte Flugtaktik ausgeglichen werden.

Konstante Leistungen an sechs Wertungstagen

An insgesamt sechs Wertungstagen waren die 19 Piloten der Offenen Klasse über Brandenburg unterwegs. Besonders der Fläming mit seinen ausgedehnten Sandflächen sorgte regelmäßig für kräftige Thermik. Zum Auftakt belegte Gründler mit 381 Kilometern und 117,75 km/h den 11. Tagesrang. Den Tagessieg sicherte sich später der Gesamtsieger Florian Heilmann auf einer EB 29 DR mit einem Schnitt von 134,69 km/h.

Auch im zweiten Wertungsflug erreichte Gründler den 11. Tagesplatz. Die 525 Kilometer lange Aufgabe absolvierte er mit 114,41 km/h. Der dritte Wertungsflug wurde als vierstündige AAT ausgetragen und endete für Gründler auf Rang 10. Deutlich besser lief es am vierten Wettbewerbstag: Mit 401,92 Kilometern und 116,59 km/h belegte er einen starken 6. Tagesplatz.

Der fünfte Wertungsflug verlief dagegen nicht ganz nach Wunsch. Die dreistündige AAT beendete Gründler auf Rang 15. Zum Abschluss gelang ihm jedoch noch einmal ein Ausrufezeichen. Im sechsten Wertungsflug erreichte er bei einer 3:30-Stunden-AAT mit 124,46 km/h den hervorragenden 4. Tagesplatz und sicherte sich damit den 9. Platz in der Gesamtwertung.

Wertvolle Erfahrungen gesammelt

Für Marven Gründler war die Teilnahme weit mehr als ein sportlicher Erfolg.

„Es war beeindruckend, gegen Größen wie Bruno Gantenbrink und viele weitere Spitzenpiloten zu fliegen. Brandenburg ist ein tolles Fluggebiet mit seinen weiten Feldern – ganz anders als der Schwarzwald. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe sehr viel gelernt.“

Mit seinem Top-Ten-Ergebnis unterstreicht der Nachwuchspilot der Fliegergruppe Freudenstadt einmal mehr sein großes Potenzial für zukünftige nationale und internationale Wettbewerbe.