Ohne ehrenamtliche Fluglehrer geht es nicht

15 Ausbilder sichern bei der Fliegergruppe Freudenstadt den fliegerischen Nachwuchs

Von Lothar Schwark

Der Traum, einmal selbst ein Flugzeug zu steuern, bleibt für viele Menschen unerfüllt. Dabei sind die Hürden zum Einstieg in den Flugsport oft niedriger, als man denkt. Wer Zeit und Engagement mitbringt, kann in vielen Vereinen vergleichsweise kostengünstig das Fliegen erlernen. So auch bei der Fliegergruppe Freudenstadt, bei der ehrenamtliche Fluglehrer die Grundlage für die gesamte Ausbildung bilden.

Von März bis Ende Oktober übernehmen die Fluglehrer jeweils mehrere Wochenenddienste und bringen den Flugschülerinnen und Flugschülern das Fliegen von Grund auf bei. Das geschieht vollständig ehrenamtlich. Auch die Fluglehrer bezahlen ihre eigenen Flüge und Mitgliedsbeiträge wie jedes andere Vereinsmitglied.

Auch Fluglehrer müssen erst lernen zu lehren

Der Weg zur Fluglehrerberechtigung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Einige der älteren Ausbilder absolvierten ihre mehrwöchige Ausbildung noch an der Segelflugschule Hornberg bei Schwäbisch Gmünd. Seit deren Schließung im Jahr 2015 führt der Baden-Württembergische Luftfahrtverband die Ausbildung in strukturierten Lehrgängen am Luftsport-Trainingszentrum Klippeneck durch.

Das kommt auch den veränderten beruflichen Rahmenbedingungen entgegen. Drei Wochen Urlaub am Stück sind für viele Berufstätige heute kaum noch möglich. Die Ausbildung kann deshalb in mehreren Abschnitten absolviert werden.

Bevor die angehenden Fluglehrer zum praktischen Lehrgang zugelassen werden, müssen sie verschiedene fliegerische Mindestanforderungen erfüllen. Anschließend stehen unter anderem Lehrgänge zu Fachwissen und Pädagogik sowie eine rund zweiwöchige praktische Ausbildungsphase auf dem Klippeneck auf dem Programm.

Ehrenamt hält Fliegen bezahlbar

Nur durch dieses ehrenamtliche Engagement ist es möglich, die Pilotenausbildung im Verein zu vergleichsweise günstigen Konditionen anzubieten. Gegenüber einer kommerziellen Flugschule müssen Flugschüler zwar etwas mehr Zeit einplanen, da der Ausbildungsbetrieb überwiegend an den Wochenenden stattfindet. Dafür ist die Ausbildung eng in das Vereinsleben eingebunden und wird von erfahrenen Piloten begleitet.

Den Schwerpunkt bildet in Musbach traditionell der Segelflug. Darüber hinaus wird auch im Ultraleicht-, Motorsegler- und Motorflugbereich ausgebildet. Voraussetzung für diese weiterführenden Ausbildungswege ist bei der Fliegergruppe grundsätzlich, dass zuvor die Segelfluglizenz im Verein erworben wurde. Reine Motorflugpiloten bildet die Fliegergruppe nicht aus.

Alleinflug schon mit 14 Jahren

Im Schulflugbetrieb tragen die Fluglehrer eine besondere Verantwortung. Schließlich können Flugschüler bereits im Alter von 14 Jahren erstmals allein mit einem Segelflugzeug starten.

Nach oben gibt es dagegen kaum eine Altersgrenze: In Musbach haben auch schon Flugschüler jenseits der 70 mit der Ausbildung begonnen.

Derzeit zählt die Fliegergruppe rund zwölf Segelflugschülerinnen und Segelflugschüler. Die große Nachfrage zeigt, wie wichtig eine ausreichend starke Mannschaft an Fluglehrern für die Zukunft des Vereins ist.

Ausbildung vom Segelflug bis zum Motorflug

Mit Esther und Wolfgang Schmalz verfügt der Verein über zwei erfahrene Fluglehrer für die Ausbildung zum PPL(A). Diese Privatpilotenlizenz ermöglicht – abhängig von den jeweiligen Berechtigungen und dem eingesetzten Flugzeug – das Fliegen von einmotorigen Flugzeugen auch über die europäischen Grenzen hinaus.

Axel Reich und Christof Geißler bilden Pilotinnen und Piloten für die LAPL(A) – Light Aircraft Pilot Licence aus. Diese europäische Lizenz ist auf leichtere einmotorige Flugzeuge beschränkt und erlaubt Flüge mit maximal drei Passagieren.

Auch die Ausbildung für die Ultraleicht-Sportpilotenlizenz ist in Musbach möglich. Hier gehört neben den bereits genannten Fluglehrern auch Joachim Treier zum Ausbildungsteam.

Künftig soll zudem Segelfluglehrer Max Zeffler die Lehrberechtigung für Ultraleichtflugzeuge erwerben. Zeffler verfügt darüber hinaus über Berufspilotenerfahrung und war zeitweise auf einer Cessna Citation unterwegs.

15 Fluglehrer sichern die Zukunft

Insgesamt kann die Fliegergruppe Freudenstadt auf 15 Fluglehrer zurückgreifen. Gemeinsam mit der Fliegergruppe Renchtal betreibt sie zudem eine Schulgemeinschaft.

Dass der Verein heute personell so gut aufgestellt ist, ist kein Zufall. Frühzeitig wurde darauf geachtet, altersbedingt ausscheidende Fluglehrer durch geeignete Nachwuchskräfte zu ersetzen und diese an ihre neue Aufgabe heranzuführen.

Dabei nehmen einige Ausbilder für ihren ehrenamtlichen Dienst erhebliche Wege auf sich. So bleibt beispielsweise Martin Haug, der beruflich in Mainz tätig ist, seinem Heimatverein weiterhin als Fluglehrer verbunden und übernimmt regelmäßig Ausbildungsdienste in Musbach.

Ohne dieses Engagement wäre ein kontinuierlicher und zugleich bezahlbarer Ausbildungsbetrieb kaum möglich. Die ehrenamtlichen Fluglehrer sorgen damit nicht nur dafür, dass junge Menschen das Fliegen lernen – sie sichern zugleich die fliegerische Zukunft der Fliegergruppe Freudenstadt.

Freudenstadts Aufwindjäger am Ziel ihrer Träume

Abschlussbericht OLC 2. Segelflugbundesliga 2026 – Meistertitel nach 17 Runden

Von Lothar Schwark

Freudenstadt-Musbach. Mit einem überzeugenden Rundensieg in der 17. und letzten Runde haben die Aufwindjäger der Fliegergruppe Freudenstadt ihre herausragende Saison gekrönt: Die Mannschaft gewinnt die OLC 2. Segelflugbundesliga 2026 und sichert sich damit den Deutschen Meistertitel. Auch in der U25-Liga waren die Freudenstädter Nachwuchspiloten erfolgreich und holten den Titel nach Musbach.

Ein Titel für die Ewigkeit

Ein Wermutstropfen begleitet den großen Erfolg: Mit der Saison 2026 endet zugleich die Geschichte des Online Contest (OLC). Nachdem im Frühjahr zunächst unklar gewesen war, ob die Ligawertungen überhaupt noch stattfinden würden, wurden die 1. und 2. Bundesliga schließlich doch noch einmal ausgetragen. Ende September 2026 sollen der OLC und die dazugehörige Segelflugszene aufgelöst werden.

Damit haben sich die Freudenstädter gewissermaßen einen Titel für die Ewigkeit gesichert. Sportlich wäre mit dem Meistertitel zugleich die souveräne Rückkehr in die OLC-Bundesliga verbunden gewesen. Doch das ist nun Geschichte.

Perfektes Flugwetter für die Schlussrunde

Die 17. Runde bot noch einmal hervorragende Bedingungen. Eingeflossene Kaltluft geriet unter Hochdruckeinfluss und sorgte für bestes Segelflugwetter. Die Freudenstädter verzichteten bewusst auf extrem ausgedehnte Langstreckenflüge. Stattdessen lag der Fokus auf der Speedwertung über die schnellsten zwei Stunden – schließlich sollte der Titel mit einem starken Rundenergebnis abgesichert werden.

Das gelang eindrucksvoll.

Marven Gründler zeigte auf dem Ventus C 17,6 m einmal mehr, dass er zu den stärksten Nachwuchspiloten Deutschlands zählt. Mit 121,67 Punkten und 134,44 km/h über die schnellsten zwei Stunden legte er den Grundstein für den Rundensieg.

Ganz kurz sollte sein Flug dennoch nicht werden: Gegen 17 Uhr schwebte Gründler nach 672 Kilometern wieder in Musbach ein. Rund zwei weitere Flugstunden wären an diesem Tag noch möglich gewesen. Bei einem früheren Start hätte die Strecke nach Einschätzung der Piloten durchaus 850 bis 900 Kilometer betragen können.

Schick und Geißler komplettieren das Spitzentrio

Auch Jakob Schick spielte mit seinem Mini Nimbus seine Stärken aus. Über der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald erzielte er 97,69 Punkte bei 102,75 km/h in der Speedwertung. Insgesamt legte Schick 514 Kilometer mit einem Schnitt von 95,7 km/h zurück.

Christof Geißler war zunächst noch als Fluglehrer im Einsatz. Erst gegen 14.30 Uhr startete der erfahrene Streckenpilot mit der HPH 304S Shark zu seinem Sprint über dem Schwarzwald. Mit seiner großen Erfahrung fand er die besten Aufwindlinien und steuerte mit 94,73 Punkten und 107,52 km/h einen weiteren wichtigen Beitrag zum Rundensieg bei.

Zehn Rundensiege in einer außergewöhnlichen Saison

Das lang anhaltende Hochdruckwetter sorgte 2026 immer wieder für hervorragende Segelflugbedingungen über dem Schwarzwald. Die Fliegergruppe Freudenstadt nutzte diese Chancen konsequent und gewann im Saisonverlauf zehn der 17 Runden. Auch in den übrigen gewerteten Runden war die Mannschaft stets unter den Top Ten vertreten. Lediglich zwei Nullrunden mussten die Musbacher hinnehmen – einmal wetterbedingt und einmal aufgrund einer zu dünnen Personaldecke.

Besonders erfreulich war die Entwicklung der jungen Piloten. Sie sammelten im Laufe der Saison immer mehr Erfahrung und konnten zunehmend mit den etablierten Streckenfliegern mithalten.

Starke Mannschaftsleistung als Schlüssel zum Titel

Wie breit die Mannschaft 2026 aufgestellt war, zeigt die Zahl der Piloten, die es mindestens einmal unter die drei schnellsten Freudenstädter einer OLC-Runde schafften:

  • Anton Harzer: 9-mal
  • Martin Haug: 6-mal
  • Marven Gründler: 5-mal
  • Christof Geißler: 4-mal
  • Reiner Haist: 4-mal
  • Frank Popp: 3-mal
  • Hannes Deuble: 3-mal
  • Jakob Schick: 3-mal
  • Martin Pollex: 3-mal
  • Timo Lehrke: 2-mal
  • Oskar Haug: 1-mal
  • Michael Buchthal: 1-mal

Auch der Erfolg in der U25-Liga war eine echte Mannschaftsleistung. Einen wichtigen Anteil daran hatte Daniel Nehajcik. Zweimal gelang es ihm mit Flügen in der Umgebung von Musbach, noch eine gültige Wertung zu erzielen und damit wichtige Punkte für die Juniorenmannschaft zu sichern.

So endet die letzte OLC-Saison für die Fliegergruppe Freudenstadt mit dem größtmöglichen sportlichen Erfolg: Deutscher Meister in der 2. Segelflugbundesliga und Sieger der U25-Liga. Ein würdiger Abschluss einer Ära – und zugleich ein eindrucksvoller Beleg für die Leistungsstärke der Musbacher Streckenflieger.