Streckenflieger stehen in den Startlöchern 2026

Saisonstart der Segelflieger in Musbach

von Lothar Schwark

Mit dem meteorologischen Frühlingsbeginn erwacht auch über Musbach wieder die Thermik. Auf diesen Moment haben die Segelflieger der Fliegergruppe Freudenstadt lange hingefiebert. In den Wintermonaten wurden die Flugzeuge gründlich gewartet und auf die neue Saison vorbereitet.

Neben der technischen Überprüfung der Segelflugzeuge stand auch die Modernisierung der Instrumentierung im Mittelpunkt. Neue Software und aktuelle Datensätze wurden in die Bordcomputer eingespielt. Während Piloten noch vor rund 20 Jahren mit einer Papierkarte auf dem Schoß navigierten, zeigen moderne Navigationssysteme heute den exakten Kurs nahezu metergenau an. Dadurch sind deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten möglich.

Die digitale Navigation erleichtert zudem das präzise Fliegen in teilweise komplexen und verschachtelten Lufträumen. Gleichzeitig behalten Piloten stets im Blick, wie weit sie vom Heimatflugplatz entfernt sind und welche Höhe sie für einen sicheren Endanflug benötigen. Besonders im Wettbewerbssegelflug kann dies entscheidend sein: Bereits zwei zusätzliche Thermikkreise können über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Konzentration und Fitness gefragt

Schnell ist nur, wer über gute Wetterkenntnisse verfügt und die stärksten Aufwinde findet. Um dies umzusetzen, braucht es neben Erfahrung auch körperliche Fitness. Bei längeren Streckenflügen verbringen die Piloten bis zu zehn Stunden – manchmal sogar noch länger – konzentriert im engen Cockpit.

Erste Streckenflüge der neuen Saison

Nach der intensiven Winterarbeit freute sich auch Jakob Schick von der Fliegergruppe Freudenstadt auf den Start in die neue Saison. Ein sich aufbauendes Hochdruckgebiet versprach am 1. März gute Thermikbedingungen. Da die Startbahn in Musbach noch nicht vollständig abgetrocknet war, entschied sich Schick für einen Start von einem anderen Flugplatz.

Mit seinem Mini Nimbus C hob er vom Flugplatz Malsch, zwischen Bruchsal und Wiesloch gelegen, ab. Begleitet wurde er von seinem Teampartner Filip Slamka. Gemeinsam nahmen sie Kurs in Richtung Würzburg.

Der Flug begann jedoch anspruchsvoll: Bereits nach einer halben Stunde drohte das Unternehmen beinahe auf einem Acker zu enden. Erst nach mehreren Suchkreisen fanden die Piloten einen rettenden Aufwind von rund drei Metern pro Sekunde. Danach stabilisierte sich die Thermik, sodass Würzburg sicher umrundet werden konnte.

Blick auf die Wettbewerbssaison

Jakob Schick gehört dem D-Kader an und plant, bei den Süddeutschen Meisterschaften in Winzeln an den Start zu gehen. Dort möchte er sich in der Clubklasse für die nächste Junioren-Segelflug-DM qualifizieren.

Gemeinsam mit weiteren Piloten der Clubklasse plant er außerdem einen großen Wandersegelflug im Jahr 2026. Für viele Segelflieger gilt diese Art des Fliegens noch immer als die ursprünglichste Form des Sports: Morgens startet man, ohne genau zu wissen, wo der Flug am Abend enden wird. Schlafsack und Zahnbürste sind deshalb stets mit an Bord.

Weitere Piloten starten in die Saison

Auch Marven Gründler startete am 2. März zu einem ersten Nachmittagsflug von Musbach aus. Wie Schick gehört auch er dem D-Kader an und blickt motiviert auf die kommende Saison. Nach dem Ablegen seines Abiturs möchte er sich vollständig auf den Segelflugsport konzentrieren.

Gründler plant ebenfalls eine Teilnahme an den Süddeutschen Meisterschaften in Winzeln-Schramberg. Dort will er sich in der Standardklasse für die Junioren-DM qualifizieren.

Große Ziele für die Saison

Sowohl die jungen Piloten als auch die erfahrenen „Thermikhasen“ der Fliegergruppe Freudenstadt freuen sich auf ausgedehnte Überlandflüge. Ein besonderes Ziel für dieses Jahr: Die 1.000-Kilometer-Marke soll erstmals von Musbach aus geknackt werden.

Darüber hinaus möchte sich der Verein verstärkt im dezentralen Wettbewerb WeGlide platzieren, um sich dort für die 2. Segelflug-Bundesliga zu qualifizieren.

Der Hintergrund: Die Zukunft des traditionsreichen Online Contest (OLC) ist derzeit ungewiss. OLC-Gründer Reiner Rose sucht altersbedingt bislang erfolglos nach einem Nachfolger für die Betreuung der Plattform. Dabei hat der OLC den Streckensegelflug weltweit maßgeblich geprägt und revolutioniert. Viele Segelflieger hoffen daher, dass dieses Lebenswerk auch künftig weitergeführt werden kann.