Runde 9 der 2. Segelflugbundesliga 2021

Feuchtwarme Luft bremst Piloten aus

Von Lothar Schwark

der ein feucht-mauer Tag, typisch für dieses Jahr“. So analysierte Martin Haug von der Fliegergruppe Freudenstadt seinen Ligaflug in Runde 9. Mit einer DG 400/17 war der gebürtige Dornstetter über Teilen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb unterwegs. Dabei erflog er über die 2.30 Stunden Wertungszeit einen Schnitt von 73,71 Punkte/78,69 km/h. Gesamt war Haug 301 Km unterwegs. Der Fluglehrer der FG Freudenstadt schilderte seinen Flug: „Die Wolkenoptik war mal wieder besser, als das vorgefundene Steigen unter ihnen“. So haben wir unsere Energie und Konzentration schon in den ersten Flugstunden verpuffen lassen.

Richtig gut wurde es erst am späten Nachmittag. Da war Frank Popp auf DG 800S schon wieder gelandet. Immerhin flog er noch 56,68 Punkte/62,21 km/h in der teilweise schwachen Thermik heraus. Gesamt war Popp 213 km bis zur Schwäbischen Alb unterwegs. Nachdem sich Haug lange mit reichlich Wassersäcken (Kumuluswolken die schlecht ziehen) plagte, die oft nicht einmal 1,0 Meter Steigen/Sekunde brachten, erfolgte beim Plettenberg die Wende. Dort erwischte Haug an der Albvorderkante einen Aufwind von 3,0 Meter/Sekunde, der das Rennen beschleunigte. Doch zurück im Schwarzwald war wieder der Schleichgang angesagt, da eine durchziehende Abschirmung kurz die Thermik abwürgte. Danach baute die Thermik nochmals auf, aber folgend lief es für den DG 400/17m Pilot nicht optimal, Haug flog nach Musbach zurück.

Rund um Musbach kämpfte derweil Wolfgang Haug mit eher schwachen Aufwindblasen. Die Geduld mit dem Vereins Discus 2 zahlte sich aus. W. Haug erflog als dritter Pilot noch 47,78 Punkte/50,65 km/h.

Tag zwei von Rundenwertung 9 brachte keine Ergebnisse. Hier hatte die feuchtwarme Luft mit vielen abschirmenden Wolken wieder die Regie übernommen. Zumindest konnten erweiterte Platzflüge durchgeführt werden. Wie schon Wochen zuvor konnten die Piloten im Nordosten der Republik gute Aufwinde nutzen. Nun hofft man in Musbach, dass der launische Juli endlich wieder besseres Flugwetter bringt. Wasserballast kann man nur wenig mitführen, da der reichliche Regen das Fluggelände eingeweicht hat.

Wolfgang Haug punktet in der Bundesliga
Mit dem Vereins-Discus2 sammelt Wolfgang Haug Bundesligapunkte

Neben drei Wetterbedingten Nullrunden platzierten sich die Musbacher Aufwindjäger bis jetzt in den laufenden Runden auf Platz 14/1/17/16/15/11. Vom ersten Abstiegsplatz, den augenblicklich der Aero Club Berlin (34 Punkte) belegt, ist man momentan 18 Punkte entfernt. Der Traum vom Aufstieg in die Bundesliga bleibt real. Hier müsste man indes 24 Punkte aufholen, um den SSV Ludwigshafen/RP abzufangen, der momentan 76 Zähler erflogen hat.  Sechs Runden bleiben noch um zumindest das Mittelfeld zu halten. Für Spannung ist gesorgt.

Runde 8 der 2. Segelflugbundesliga: Schwarzwald anfangs mit guten Aufwinden

Aufwindjäger der Fliegergruppe Freudenstadt im Mittelfeld platziert/Rundenwertung lies nur einen Streckenflugtag zu

Weiterhin müssen sich Musbachs Segelflieger mit dem launischen Sommerwetter auseinandersetzen. Während die Saison 2020 zahlreiche Streckenflugtage brachte , hat man es heuer oft mit thermischer Magerkost zu tun. Runde 8 ermöglichte in Süddeutschland nur einen Streckenflugtag (Samstag), während im Nordosten (Brandenburg, Sachsen) die Thermik an beiden Rundentagen brummte. Wichtig war die richtige Flugplanung . Christof Geißler entschied sich für einen Flug mit mehreren Wenden über dem Schwarzwald. Er flog er in der 2. 30 Stunden Wertungszeit 97,06 Punkte/110,16 km/h (Gesamt 448 km) mit der HPH 304SShark heraus und wurde schnellster Pilot des Freudenstädter Trios.

Geißler schildert seinen Flug: Wir sind so früh wie möglich gestartet, da gegen 15:00 Schichtbewölkung mit Warmluft und Regen von Südwesten mit Ende der Thermik vorausgesagt wurde.. Anfangs entwickelte sich die Thermik über dem Nordschwarzwald gut. Ab Dobel wurde es Richtung Norden zunehmend blau (keine Kumuluswolken) und die restliche Wolkenbasis sank ab. Zurück auf Südkurs bildeten sich schöne Kumuluswolken. Geißler kam rasch bis Todtmoos voran. Dort war bereits die abschirmende Bewölkung des heranziehenden Tiefs angekommen. Die Thermik wurde im Süden deutlich schwächer. Überlegung auf die Alb zu fliegen oder entlang des Donautales nach Osten wären zwar gegangen, nur der Rückweg bei aufziehender Bewölkung und Niederschlag aus S-W wären kritisch geworden. So entschied ich mich nochmals  bis Dobel und zurück bis Vöhrenbach; zu fliegen. Der mittlere Schwarzwald war ebenso durch die aufziehende Abschirmung beeinträchtigt. Zuletzt blieb mir der nördliche Schwarzwald zwischen Murgtal und Nagoldtal“, so der zweifache Deutsche Meister der Doppelsitzerklasse.

Solche Flüge fordern von den Aufwindjäger große Erfahrung. Schnell sind nur diejenigen, welche die stärksten Aufwinde auskurbeln (kreisen) und den optimalen Flugweg finden. Oft kann man Aufwindlinien im schnellen Geradeausflug nutzen, was den Schnitt deutlich erhöhen kann. Die Kenntnis der Thermik Hotspots erlangt man nur durch viele Flüge und Flugstunden. So ist beispielsweise die Mülldeponie der Bengelbruck ein zuverlässiger Aufwindgarant, wie auch das Gebiet rund um Seewald, der Erzgrube oder die Kleine Kinzig. Gefürchtet ist im Hochsommer dagegen der Kraichgau, von den Segelfliegern auch liebevoll Kriechgau genannt. Landschaftsbedingt setzt die Thermik dort bei Warmluftlagen sehr spät oder gar nicht ein. So ist von Pforzheim bis rund Sinsheim, oft der Langsamgang gefragt. So müssen sich die Piloten laufend mit dem Wetter und auch der Geographie auseinandersetzten. Denn der Motor der Segelflieger ist und bleibt das Wetter.

Frank Popp war mit seiner DG 800 S ebenfalls über dem Schwarzwald unterwegs. Er erflog 85,38 Punkte/93,71 Km/h (Gesamt 400 km). Immer besser in Schwung kommt Wolfgang Haug. Erflog mit dem Vereins Discus 2 so 71,59 Punkte/75,89 km/h heraus (Gesamt 303 km).

Text und Bilder: Lothar Schwark