Fliegergruppe Freudenstadt Hauptversammlung 2019

Von Lothar Schwark

Freudenstadt. Berichte und Ehrungen standen zur Hauptversammlung der Fliegergruppe Freudenstadt an. In der Linde Lombach begrüßte Vorsitzender Axel Reich den Vizepräsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverband Hans-Joachim Proß. Im Rückblick erinnerte Reich an einen Supersommer. Sein Dank ging an alle Mitglieder, die den Verein tatkräftig unterstützten. 29 Mitglieder leisteten 2018 stolze 2400 Arbeitsstunden, was im Schnitt 82,7Stunden betrug.
Am 2.November richtet die Fliegergruppe den 78.Deutschen Segelfliegertag im
Kongresszentrum aus . Nach dem Deutschen Segelfliegertag 2015 abermals ein großer Vertrauensbeweis der Segelflugkommission des Deutschen Aero Club (DAeC). Am Abend des 02. November feierte die Fliegergruppe im Schlosshotel Waldlust, ihr 90 Jähriges Bestehen. Das ganze in Verbindung mit der Segelfliegerparty des Segelfliegertages. Reichlich Aktivitäten meldete der 2. Vorsitzende Karl Pfau. So nahm die Fliegergruppe Freudenstadt an der Bürgermesse teil. Fleißig waren die Senioren, die zum Beispiel zwei Hallenwände strichen. Gut angenommen wurde die Aktion mit der Gemeinde : „Musbach fliegt“.
Die nordischen Skisportler vom SV Baiersbronn, lernten bei Mitflügen den Luftsport kennen. Mit dabei, der Weltklasseskispringer David Siegel und die mehrfache Medaillengewinnerin bei Paralympischen Spielen Andrea Rothfuß (SV Mitteltal-Obertal). Die
FTAG Esslingen und der Aeroclub Langenselbold führten bei bestem Sommerwetter ein Fluglager durch. Ein großer Erfolg war der Grand Prix Germany, der von den teilnehmenden Spitzenpiloten durchweg gelobt wurde. Der Jugend präsentierte man sich bei den Schlaufuchstagen mit dem Vereins Discus CS im Kurhaus. Das kam beim Wissenschaftsredakteur Joachim Hecker gut an, der spontan mit Pfau zu einem Rundflug in Musbach abhob. In diesem Juli (2019) ist die Fliegergruppe Reinheim bei einem Fluglager in Musbach zu Gast, ebenso schaut die FTAG Esslingen wieder vorbei. Pfau dankte allen motivierten und fleißigen Helfern für ihre wichtige Mitarbeit. Flugbetriebsleiter Armin Baur listete 1307 Windenstarts mit Segelflugzeugen auf. Seinen Windenfahrerschein erwarb Tobias Abraham in kürzester Zeit . 2018 waren 13 Schüler f in der Ausbildung für den Segelflugschein . „Leo Misselbeck und Christian Deubig beendeten im April mit der praktischen Prüfung erfolgreich ihre Ausbildung“ so Vorsitzender Reich im Ausbildungsbericht. Die Eigenstartberechtigungen für Segelflugzuge mit Hilfsmotor erwarben Walter Koch, Christian Deubig, Reinhold Stehle. Ausbildungsleiterin Esther Schmalz erläuterte Neuigkeiten in der Ultraleichtausbildung. Technischer Leiter Michael Lamparth dankte seiner Mannschaft für eine große Unterstützung.Derzeit liegt man mit der technischen Wartung im Endspurt. Im Herbst besuchten Christof Geissler, Christian Deubig und Lamparth einen Workshop auf dem Klippeneck. Gezeigt wurde wie man Segelflugzeuge in Gemischtbauweise oder Holzbauweise mit Oratex Gewebe bespannt. Dies bringt einen nicht unerheblichen Gewichtsvorteil. Eine gute Bilanz brachte der Bericht von Leistungsflugreferent Frank Popp hervor. So wurden von Musbach aus 37.000 Motorlose Flüge erflogen, 9.000 km mehr als im Vorjahr 2017. In der 2. Segelflugbundesliga war man unter 30 Vereinen mit Platz 11 dabei. Eine ausgeglichene Kassenlage verzeichnete Kassier Wolfgang Haug.
Vizepräsident Joachim Broß dankte der FG Freudenstadt für ihr großes Engagement. Dazu übernahm er die Ehrungen. Als hohe Ehrung vom Deutschen Aero Club überreichte Proß die „Silberne Ehrennadel des DAEC“ an Christof Geißler. Geißler ist seit 39 Jahren Mitglied der Fliegergruppe Freudenstadt und ununterbrochen aktiv. 22. Jahre war er in unterschiedlichen Ämtern im Vorstand aktiv, davon vier Jahre als erster Vorsitzender. Seit 30 Jahren ist er Fluglehrer und 20 Jahre Motorflugwart. Ab 2012 ist Geißler Mitglied „der Internationalen Segelflugkommission“(IGC). Aktuell wurde er (März 2019) bei der Jahrestagung der IGC in Istanbul wieder zum Vizepräsident gewählt. So ist Geißler auch stark mit dem Weltsegelflug verbunden. Ebenso die „Silberne Ehrennadel des DAEC“ erhielt Lothar Schwark. Seit 50 Jahren ist er Mitglied der Fliegergruppe und durchgehend fliegerisch aktiv. Er blickt auf 30 Jahre Vorstandsarbeit zurück, davon die letzten 22 Jahre ununterbrochen im Vorstand. 38 Jahren ist Schwark als Fluglehrer aktiv. Seit 2000 übt er im Verein das Amt der Öffentlichkeisarbeit aus. Für mehrere WM-Piloten des DAEC berichtete er vor Ort bei mehreren Welt- und Europameisterschaften für die Lokalzeitungen der Teilnehmer. Für 40 Jahre Mitgliedschaft in der FG Freudenstadt wurde Wolfgang Haug mit „der Silbernen Ehrennadel des Baden-Württembergischen Luftfahrtverband“ von Broß ausgezeichnet. Nahezu zwei Jahrzehnte übt er das Amt des Kassier aus. Für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Flugplatzpflege wurden Joachim Wolf, Max Kappler und Willi Haug mit einem Präsent geehrt. 2. Vorsitzender Pfau lobte das große Engagement der Senioren, die teils schon über 50 Jahre (Haug/Wolf) fest mit dem Verein verbunden sind.

Von links. 2. Vorsitzender Karl Pfau, Christof Geißler, Lothar Schwark, Vizepräsident BWLV Hans-Joachim Proß, Joachim Wolf, Wolfgang Haug, Max Kappler, Willi Haug. (Foto Axel Reich)

Foto: FG Freudenstadt

Die Flugsaison ist eröffnet

von Lothar Schwark

Mit einem spannenden Wellenflug eröffnete Martin Haug Ende Februar die sportliche Flugsaison in Musbach. Weltweit im Vergleich mit Piloten in Neuseeland, USA und Australien erflog Haug mit seinen 260,34 Kilometern unter 155 Teilnehmern in der OLC-Tageswertung den 39 Platz. Europaweit reichte es für Platz fünf.

Lange sah es danach aus, als ob sich in diesem Winter keine klassische Wellenlage einstellen würde. Doch am östlichen Rand des zuletzt lang anhaltenden Hochdruckgebiet kam doch noch eine leichte Nordostlage auf. Anfangs behinderte noch eine tiefe Wolkendecke, die sich am östlichen Rand vom Schwarzwald anstaute, einen frühen Start. So musste Haug bis gegen 10.30 Uhr warten, bevor er mit seiner DG 400/17 abheben konnte.
Rasch nach dem Start bot sich ihm ein beeindruckender Blick bis zu den Schweizer Alpen. Mit dem Vorteil des Eigenstarters peilte er die Region um den Schliffkopf an. Kurz zuvor wurde der Solomotor in den Rumpf eingefahren, wo er bis zur Landung verblieb.
Martin Haug, der als Fluglehrer bei der Fliegergruppe Freudenstadt tätig ist, berichtet über den weiteren Verlauf: „Die Standardwelle Schliffkopf und Hornisgrinde ging sehr zuverlässig. Dann stieg ich mit Freigabe der Flugsicherung auf 4000 Meter Meereshöhe. Weiter ging es ins Murgtal, wo die Welle über Forbach gut hob.“ Über dem wilden und unlandbaren Tal war Haug trotz vorhandenen Hilfsmotor vorsichtig unterwegs. Nicht so stark wie erwartet hob die Welle über Gaggenau, die oft über dem Daimler Werk beim Steigen unterstützt.
Zurück ging es an die Hochstraße, wo Haug bis zum Maximum stieg. Dank kooperativen Fluglotsen und vorhandener Transponderschaltung konnte der Pilot in Höhen über 3000 Meter dem Feldberg entgegen streben. Ohne Transponder und Freigabe ist ansonsten in 3000 Meter Höhe für die Segelflieger Schluss.
Luftwalzen schütteln Piloten und Flugzeug kräftig durch
Die Feldberg-Welle erwischte Haug nicht so gut. Bei Kirchzarten fand er aber nochmals eine Schwingung die auf 3000 Meter hob. „Bis dahin war alles ein Spazierflug, dann wurde es aber anstrengend“, berichtet er weiter. Die Welle am Brandenkopf war nicht zu finden. Da half nur die Flucht ins Lee der Moos bei Oppenau/Oberkirch). Wild ging es im Cockpit zu, als der Pilot kräftig von mehreren Luftwalzen durchgeschüttelt wurde. Einer dieser Rotoren kickte ihn wieder in die laminare Strömung zurück. Doch nur mühsam kam Haug in die Hauptwelle zurück. „Es war wie Treppenlaufen“, schildert er einen schweißtreibenden Kampf.
Am Hauptkamm beim Schliffkopf gelang in 1600 Meter der endgültige Einstieg mit Werten von maximal 1,8 Meter Steigen in der Sekunde. Das war sehr lehrreich und von allem etwas dabei“, bilanziert das Mitglied der FG Freudenstadt seinen Flug. Sportlich hat es sich mit seinen Platzierungen durchaus gelohnt. Die Nase vorne hatte dabei Matthias Mertz aus Offenburg, der mit Frühstart auf einer DG 600/18m 449,36 Kilometer erflog.

Bilder: Martin Haug