Musbach ist Sonderlandeplatz

Musbacher Fluggelände nun offiziell Sonderlandeplatz

Von Lothar Schwark

Mit der erfolgreichen Abnahme durch das Regierungspräsidium Stuttgart wurde dem Fluggelände in Musbach am 15. April 2026 offiziell die Betriebsaufnahme als Sonderlandeplatz genehmigt. Für die Fliegergruppe Freudenstadt endet damit eine rund sechsjährige Planungs- und Arbeitsphase. In das Verfahren waren neben dem Verein auch umliegende Gemeinden, die Bürgerschaft sowie der Ortschaftsrat Musbach und der Gemeinderat Freudenstadt eingebunden. Der ursprüngliche Antrag wurde bereits im März 2020 gestellt.

Hintergrund der Umwandlung

Bisher musste der Verein alle drei Jahre eine Genehmigung für den Betrieb des vereinseigenen Motorflugzeugs DR 400 beantragen – insbesondere für Flüge, die nicht dem Segelflugschlepp dienten, wie Werkstatt- oder Passagierflüge. Die rechtliche Bewertung durch das Regierungspräsidium änderte sich jedoch: Um diese Flüge weiterhin durchführen zu können, war die Umwandlung des Segelfluggeländes in einen Sonderlandeplatz erforderlich.

Nutzung bleibt weitgehend unverändert

An der grundsätzlichen Nutzung des Flugplatzes ändert sich wenig. Weiterhin ist lediglich ein Motorflugzeug vor Ort stationiert. Gastpiloten mit motorgetriebenen Flugzeugen dürfen den Platz nur nach vorheriger Genehmigung anfliegen – in der Luftfahrt als PPR (Prior Permission Required) bezeichnet. Die Genehmigung stellt klar, dass der Sonderlandeplatz Musbach vorrangig dem Luftsport und dem privaten Luftverkehr mit Schwerpunkt Segelflug dient. Hauptnutzer bleibt die Fliegergruppe Freudenstadt. In den Sommermonaten besuchen regelmäßig Gastvereine den Platz, um den Schwarzwald für Segelflugurlaube zu nutzen. Zudem finden immer wieder Wettbewerbe bis hin zu internationalen Meisterschaften statt.

Eigene ICAO-Kennung „EDSU“

Mit der Zulassung erhält der Flugplatz nun auch eine eigene ICAO-Kennung: EDSU. Diese vierstelligen Codes der International Civil Aviation Organization dienen der eindeutigen Identifikation von Flugplätzen weltweit – vom Sonderlandeplatz bis zum internationalen Großflughafen – und werden in Flugkarten und Luftfahrthandbüchern verwendet.

Prüfung des Fluggeländes

Im Rahmen der Abnahme wurde das gesamte Fluggelände umfassend überprüft. Neben dem Zustand der Piste kontrollierten die Prüfer auch die korrekte Position und Ausführung der Landebahnschwellen sowie der Pistenmarkierungen. Eine besondere Rolle spielt dabei die gut sichtbare gelbe Halbmarkierung, die den Piloten anzeigt, dass bereits die Hälfte der Start- oder Landestrecke verbraucht ist – ein wichtiger Hinweis, insbesondere bei nassen Pistenverhältnissen im Frühjahr. Auch die vorhandenen Feuerlösch- und Rettungseinrichtungen wurden geprüft. Dabei wurde sichergestellt, dass alle Geräte den Vorschriften entsprechen und in ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Meilenstein für den Verein

Für die Fliegergruppe Freudenstadt stellt die Zulassung zum Sonderlandeplatz einen bedeutenden Meilenstein dar, da sie den Flugbetrieb künftig deutlich erleichtert. Der erfolgreiche Abschluss des Verfahrens ist das Ergebnis einer engagierten Teamleistung der Vorstandsmitglieder unter der Leitung des Vorsitzenden Axel Reich.

Blick zurück und nach vorne

Ein besonderer Dank gilt auch der Gründergeneration des Musbacher Fluggeländes. Erste Flüge fanden bereits ab 1957 statt. Der Einsatz des verstorbenen Ehrenvorsitzenden August Bruder sowie vieler engagierter Mitglieder führte dazu, dass der Verein ab 1969 in Musbach eine feste Heimat fand. Seitdem wurde das Gelände kontinuierlich weiterentwickelt. Durch zahlreiche Wettbewerbe und Veranstaltungen hat sich Musbach in der Segelflugszene weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Sogar die legendäre Junkers Ju 52 ist bereits vom Musbacher Flugplatz gestartet. Ein weiterer Meilenstein steht bereits bevor: Im Jahr 2029 feiert die Fliegergruppe Freudenstadt ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. In diesem Zusammenhang wird über ein großes Flugplatzfest nachgedacht. Bereits in diesem Jahr ist im Juli ein Fly-In mit Taufe des neuen Schulflugzeugs geplant.