WeGlide Runde 9 und OLC 2. Segelflugbundesliga Runde 8

Sensationeller OLC-Schnitt von 150,6 km/h

Von Lothar Schwark

Freudenstadt-Musbacher Raum. Mit 362,31 Teamspeed-Punkten und der Maximalwertung von 20 Punkten gelang den Aufwindjägern der Fliegergruppe Freudenstadt in Runde 8 der OLC-2.-Segelflugbundesliga eines ihrer besten Ergebnisse überhaupt. Ausschlaggebend war neben dem fliegerischen Können auch eine außergewöhnlich günstige Wetterlage am vergangenen Wochenende.

Den Auftakt machten Marven Gründler und Copilot Michael Buchthal. Mit dem Duo Discus WL erzielten sie über Schwarzwald und Schwäbischer Alb einen beeindruckenden Ligaschnitt von 123,32 km/h und 113,92 Speed-Punkten. Insgesamt legte das Erfolgsduo 647 Kilometer zurück. Auch Martin Haug nutzte die hochreichenden Aufwinde optimal aus. Auf einem Ventus 2cxM 18m erreichte er in der Wertung der schnellsten zwei Stunden 124,84 km/h und 109,0 Speed-Punkte. Insgesamt standen am Ende 526 Kilometer auf dem Bordcomputer.

Später Start – spektakuläres Ergebnis

Für den zweiten Ligatag waren die Erwartungen zunächst gering. Die Fliegergruppe war Gastgeber der traditionellen „Kirche im Grünen“, weshalb der Flugbetrieb erst am Nachmittag aufgenommen werden konnte. Gleichzeitig entwickelten sich die Kumuluswolken zunehmend zu Gewitterwolken.

Eigentlich wollte Anton Harzer nach mehreren Gastflügen mit dem Ultraleichtflugzeug lediglich den vereinseigenen Duo Discus WL nach einem Windenstart zurück nach Hause fliegen. Doch unmittelbar nach dem Ausklinken fand er bereits in 250 Metern Höhe einen kräftigen Aufwind. Was danach folgte, dürfte in die Vereinsgeschichte eingehen.

Gemeinsam mit Copilot Hannes Deuble erzielte Harzer einen sensationellen Ligaschnitt von 150,60 km/h und 139,12 Speed-Punkten. Innerhalb von nur 1 Stunde, 59 Minuten und 54 Sekunden legte das Duo auf einem Jo-Jo-Flug über dem Schwarzwald 301,19 Kilometer zurück. Nach 2 Stunden und 25 Minuten standen sogar 357,9 Kilometer auf dem Flugschreiber.

Aufwindstraße entlang der Schwarzwaldhochstraße

Harzer schilderte den Flug begeistert:

„Nach dem Windenstart haben wir bereits in 250 Metern Höhe einen starken Aufwind gefunden, der uns wie ein Aufzug auf 2.500 Meter steigen ließ. Anschließend flogen wir zur Schwarzwaldhochstraße und klinkten uns dort unter einer perfekten Aufwindstraße entlang der Wolken ein.“

Im Süden regnete es bereits vor der herannahenden Wetterfront, während im Bereich des Flugplatzes Winzeln-Schramberg erste Blitze zu sehen waren.

„Dass es so schnell gehen würde, hätte ich selbst nicht gedacht. Unser Vereins-Duo-Discus mit der Werknummer 7 marschierte selbst ohne Wasserballast hervorragend.“

Nach der Landung war Eile angesagt. Kurz darauf erreichte die Gewitterfront Musbach, sodass das Flugzeug schnell in die Halle gebracht werden musste. Harzer und Deuble hatten exakt das optimale Zeitfenster vor dem Eintreffen der Gewitter genutzt – stets mit der Möglichkeit, auf einem benachbarten Flugplatz sicher zu landen.

Nachwuchs punktet in der U25-Wertung

In der OLC-U25-Wertung konnte sich Daniel Nehajcik mit seinem Discus B platzieren. Er erzielte 36,68 Speed-Punkte und sammelte damit wichtige 7 Wertungspunkte. Da die Flüge von Gründler und Harzer in Doppelsitzern absolviert wurden, konnten diese nicht für die U25-Wertung berücksichtigt werden.

WeGlide-Wertung mit Nachwuchspiloten

Auch in der WeGlide-Wertung war die Fliegergruppe vertreten. Reiner Haist erreichte mit seiner Kestrel 17 eine Strecke von 361 Kilometern bei einem Schnitt von 80 km/h.

Besonders erfreulich waren die Leistungen zweier Nachwuchspiloten, die noch am Anfang ihrer fliegerischen Laufbahn stehen:

  • Lucas Sollenberger: 96 Kilometer
  • Daniel Nehajcik: 109 Kilometer

Beide sammelten damit wertvolle Erfahrungen im Streckenflug und wichtige Kilometer für die WeGlide-Wertung.

OLC-2.-Bundesliga nach Runde 8

  1. FG Freudenstadt (BW) – 148 Punkte
  2. SFG Werdenfels (BY) – 117 Punkte
  3. FLG Blaubeuren (BW) – 101 Punkte

Die Fliegergruppe Freudenstadt konnte ihren Vorsprung damit weiter ausbauen und bleibt klar auf Meisterschaftskurs.

Erster 1.000-Kilometer-Flug von Musbach aus

Marven Gründler und Pirmin Groß knacken die 1.000km Marke

Von Lothar Schwark

Freudenstadt-Musbacher Raum. Ein historischer Moment für die Fliegergruppe Freudenstadt: Mit einem Flug über 1.002,9 Kilometer hat Marven Gründler als erster Pilot einen offiziellen 1.000-Kilometer-Flug mit Start in Musbach absolviert. Der 19-Jährige unterstrich damit einmal mehr sein außergewöhnliches fliegerisches Talent.

Für den Rekordflug nutzte Gründler gemeinsam mit Copilot Pirmin Groß einen Nimbus 4DM, der von einer Haltergemeinschaft aus Piloten der Fliegergruppen Musbach und Winzeln betrieben wird. Das doppelsitzige Segelflugzeug mit Eigenstartmöglichkeit verfügt über eine Spannweite von 26,4 Metern und zählt zu den leistungsfähigsten Segelflugzeugen seiner Klasse.

Unter idealen Bedingungen gleitet der Nimbus 4DM aus 1.000 Metern Höhe bei optimaler Geschwindigkeit rund 60 Kilometer weit – ganz ohne einen einzigen Kreisflug. In der Praxis bestimmen jedoch Wetter, Aufwinde und die Erfahrung der Piloten über Erfolg oder Misserfolg eines Langstreckenfluges.

Gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

Bereits am Abend des 17. Juni begann für Gründler die intensive Flugvorbereitung. Wie bei allen großen Streckenflügen spielte die Analyse der Wetterentwicklung eine entscheidende Rolle. Heute stehen Segelfliegern dafür hochspezialisierte Wettermodelle zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse des Streckensegelflugs zugeschnitten sind.

Als „Motor“ des Fluges diente ein stabiles Hochdruckgebiet, das außergewöhnlich gute Bedingungen versprach. Die Wetterlage erinnerte an Verhältnisse in Namibia, wo Segelflieger zwischen Oktober und Februar regelmäßig von solchen Bedingungen profitieren.

Für einen erfolgreichen Tausender ist ein früher Start entscheidend. Entsprechend dankbar waren Gründler und Groß, dass Vereinsmitglied Willi Haug beim Start die Tragfläche waagerecht hielt und so einen sicheren Beginn des Rekordfluges ermöglichte.

Schwieriger Start, starke zweite Hälfte

Die ersten Stunden verliefen allerdings nicht reibungslos. Bis in den Südschwarzwald hinein fiel es dem Team schwer, die Kerne der Aufwinde exakt zu treffen.

Erst ab dem westlichen Albtrauf und dem Donautal verbesserten sich die Bedingungen deutlich. In Richtung Ulm entwickelte sich die Thermik zunehmend besser, während sich die Kumuluswolken gleichzeitig mehr und mehr auflösten.

„Da mussten wir uns an kleinen Wolkenfetzen bis in die Höhe des Nördlinger Ries orientieren. Danach fuhr der Thermikofen wieder hoch“, berichtet Gründler.

Der nördlichste Wendepunkt lag kurz vor Ansbach und dem Nürnberger Luftraum.

Schwarzwald wird zum Schlüssel des Erfolgs

Auf dem Rückweg zeigte sich die Schwäbische Alb von ihrer besten Seite. Die Aufwinde wurden stärker, die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg kontinuierlich an.

Entscheidend für den Erfolg war jedoch, dass der Schwarzwald auch nach 17 Uhr noch hervorragende Thermik lieferte. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch rund 300 Kilometer vor dem Team.

Unter einer ausgeprägten Konvergenzlinie konnten Gründler und Groß den Schwarzwald in einem ausgedehnten Jo-Jo-Flug gleich zweimal von Süd nach Nord durchfliegen und so die letzten Kilometer für den Tausender sammeln.

Anschließend glitten sie ins Rheintal hinaus. Rund 15 Kilometer hinter Rheinstetten wurde nach 10 Stunden und 11 Minuten reinem Segelflug erstmals der Motor des Eigenstarters genutzt, um den Heimflug nach Musbach anzutreten.

Eintrag in die Vereinsgeschichte

Mit seinem Flug reiht sich Marven Gründler nun in die Liste der Freudenstädter 1.000-Kilometer-Piloten ein. Bereits zuvor hatten Dirk Reich, Axel Reich, Hansjörg Rothfuss, Frank Popp und Timo Lehrke diese magische Marke erreicht.

Der Unterschied: Ihre Tausender wurden von anderen Flugplätzen aus geflogen. Gründler gelang nun der erste offiziell anerkannte 1.000-Kilometer-Flug mit Start in Musbach.

Damit hat er ein neues Kapitel in der Geschichte der Fliegergruppe Freudenstadt geschrieben. Angesichts der starken Nachwuchspiloten im Verein dürfte es jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Musbacher Segelflieger die magische 1.000-Kilometer-Marke von ihrem Heimatflugplatz aus knacken.