Online Contest wird eingestellt

Ende einer Ära im Streckensegelflug

Von Lothar Schwark

Es ist das Ende einer Ära: Der Online Contest (OLC) wird im Jahr 2026 endgültig eingestellt. Trotz intensiver Bemühungen ist es Gründer Reiner Rose nicht gelungen, eine Nachfolge für sein 1999 ins Leben gerufenes Projekt zu finden. Noch Ende 2025 hatten Segelflieger, Gleitschirm- und Drachenflieger sowie Modellflieger gehofft, dass der OLC weitergeführt werden kann. Nun steht fest: Auch die bekannte Bundesliga-Wertung wird nicht mehr stattfinden.

Revolution des Streckensegelflugs

Der OLC hat den Streckensegelflug ab dem Jahr 2000 nachhaltig verändert. Viele ältere Piloten erinnern sich noch an die Zeit davor: Flüge mussten aufwendig per Post zur Auswertestelle – etwa der Akaflieg Stuttgart – geschickt werden. Dort wurden Barogramme und Negativfilme geprüft, auf denen die Wendepunkte dokumentiert sein mussten. Oft vergingen Wochen, bis die Ergebnisse zurückkamen. Erst am Saisonende konnte man seine Platzierung in den Listen des Deutscher Aero Club nachvollziehen.

Mit der Einführung des OLC änderte sich alles: Durch moderne Logger und digitale Aufzeichnungssysteme konnten Flüge plötzlich innerhalb von Sekunden online ausgewertet werden – weltweit und für alle transparent. Mit der Einführung von Bundesliga-, Regional- und Landeswertungen erlebte der Leistungssegelflug einen enormen Aufschwung. Auch Jugendwertungen sorgten für zusätzliche Motivation im Nachwuchsbereich.

Ein besonderes Kapitel Vereinsgeschichte bleibt dabei der Sieg von Christof Geißler beim ersten OLC Glider Race auf der Wasserkuppe – der Wiege des Segelflugs.

Neue Plattform etabliert sich weltweit

Mit dem Ende des OLC rückt nun die Plattform WeGlide noch stärker in den Fokus. Entwickelt wurde sie unter anderem von Moritz Althaus, Johannes Dibbern und Samuel Leihkamm im Rahmen eines studentischen Projekts mit Unterstützung eines EXIST-Gründungsstipendiums an der Hochschule Worms. Die Plattform hat sich inzwischen weltweit etabliert. Auch die dezentralen Deutschen Meisterschaften des Deutscher Aero Club werden inzwischen über WeGlide ausgetragen.

Bundesliga und neue Wettbewerbsstruktur

Auch bei WeGlide gibt es eine Segelflug-Bundesliga sowie eine U25-Juniorenliga. Die Saison 2026 startet am 25. April und wird über 17 Wochenenden bis zum Finale Mitte August ausgetragen. Gewertet werden jeweils die drei schnellsten Piloten eines Vereins pro Runde. Im Gegensatz zum OLC nehmen in der 1. und 2. Bundesliga jeweils nur 25 Vereine teil. Ergänzt wird das System durch regionale Ligen in Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Mitte und Nord.

Starke Perspektiven für Freudenstadt

In der Regionalliga Baden-Württemberg belegte die Fliegergruppe Freudenstadt im Jahr 2025 einen starken 5. Platz unter 105 Vereinen. Ziel für 2026 ist klar der Ligasieg, der den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeuten würde. Mit einem zweiten Platz bestünde zusätzlich die Chance, sich über die Relegation gegen einen Absteiger durchzusetzen.

Auch im Nachwuchsbereich sind die Aussichten vielversprechend: In der Junioren-Bundesliga erreichte Freudenstadt 2025 einen 5. Platz unter 313 Vereinen. Mit jungen Piloten wie Marven Gründler, Jakob Schick, Anton Harzer und Martin Pollex bestehen gute Chancen, in der kommenden Saison sogar um einen Podiumsplatz mitzufliegen.

Musbach ist Sonderlandeplatz

Musbacher Fluggelände nun offiziell Sonderlandeplatz

Von Lothar Schwark

Mit der erfolgreichen Abnahme durch das Regierungspräsidium Stuttgart wurde dem Fluggelände in Musbach am 15. April 2026 offiziell die Betriebsaufnahme als Sonderlandeplatz genehmigt. Für die Fliegergruppe Freudenstadt endet damit eine rund sechsjährige Planungs- und Arbeitsphase. In das Verfahren waren neben dem Verein auch umliegende Gemeinden, die Bürgerschaft sowie der Ortschaftsrat Musbach und der Gemeinderat Freudenstadt eingebunden. Der ursprüngliche Antrag wurde bereits im März 2020 gestellt.

Hintergrund der Umwandlung

Bisher musste der Verein alle drei Jahre eine Genehmigung für den Betrieb des vereinseigenen Motorflugzeugs DR 400 beantragen – insbesondere für Flüge, die nicht dem Segelflugschlepp dienten, wie Werkstatt- oder Passagierflüge. Die rechtliche Bewertung durch das Regierungspräsidium änderte sich jedoch: Um diese Flüge weiterhin durchführen zu können, war die Umwandlung des Segelfluggeländes in einen Sonderlandeplatz erforderlich.

Nutzung bleibt weitgehend unverändert

An der grundsätzlichen Nutzung des Flugplatzes ändert sich wenig. Weiterhin ist lediglich ein Motorflugzeug vor Ort stationiert. Gastpiloten mit motorgetriebenen Flugzeugen dürfen den Platz nur nach vorheriger Genehmigung anfliegen – in der Luftfahrt als PPR (Prior Permission Required) bezeichnet. Die Genehmigung stellt klar, dass der Sonderlandeplatz Musbach vorrangig dem Luftsport und dem privaten Luftverkehr mit Schwerpunkt Segelflug dient. Hauptnutzer bleibt die Fliegergruppe Freudenstadt. In den Sommermonaten besuchen regelmäßig Gastvereine den Platz, um den Schwarzwald für Segelflugurlaube zu nutzen. Zudem finden immer wieder Wettbewerbe bis hin zu internationalen Meisterschaften statt.

Eigene ICAO-Kennung „EDSU“

Mit der Zulassung erhält der Flugplatz nun auch eine eigene ICAO-Kennung: EDSU. Diese vierstelligen Codes der International Civil Aviation Organization dienen der eindeutigen Identifikation von Flugplätzen weltweit – vom Sonderlandeplatz bis zum internationalen Großflughafen – und werden in Flugkarten und Luftfahrthandbüchern verwendet.

Prüfung des Fluggeländes

Im Rahmen der Abnahme wurde das gesamte Fluggelände umfassend überprüft. Neben dem Zustand der Piste kontrollierten die Prüfer auch die korrekte Position und Ausführung der Landebahnschwellen sowie der Pistenmarkierungen. Eine besondere Rolle spielt dabei die gut sichtbare gelbe Halbmarkierung, die den Piloten anzeigt, dass bereits die Hälfte der Start- oder Landestrecke verbraucht ist – ein wichtiger Hinweis, insbesondere bei nassen Pistenverhältnissen im Frühjahr. Auch die vorhandenen Feuerlösch- und Rettungseinrichtungen wurden geprüft. Dabei wurde sichergestellt, dass alle Geräte den Vorschriften entsprechen und in ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Meilenstein für den Verein

Für die Fliegergruppe Freudenstadt stellt die Zulassung zum Sonderlandeplatz einen bedeutenden Meilenstein dar, da sie den Flugbetrieb künftig deutlich erleichtert. Der erfolgreiche Abschluss des Verfahrens ist das Ergebnis einer engagierten Teamleistung der Vorstandsmitglieder unter der Leitung des Vorsitzenden Axel Reich.

Blick zurück und nach vorne

Ein besonderer Dank gilt auch der Gründergeneration des Musbacher Fluggeländes. Erste Flüge fanden bereits ab 1957 statt. Der Einsatz des verstorbenen Ehrenvorsitzenden August Bruder sowie vieler engagierter Mitglieder führte dazu, dass der Verein ab 1969 in Musbach eine feste Heimat fand. Seitdem wurde das Gelände kontinuierlich weiterentwickelt. Durch zahlreiche Wettbewerbe und Veranstaltungen hat sich Musbach in der Segelflugszene weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Sogar die legendäre Junkers Ju 52 ist bereits vom Musbacher Flugplatz gestartet. Ein weiterer Meilenstein steht bereits bevor: Im Jahr 2029 feiert die Fliegergruppe Freudenstadt ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. In diesem Zusammenhang wird über ein großes Flugplatzfest nachgedacht. Bereits in diesem Jahr ist im Juli ein Fly-In mit Taufe des neuen Schulflugzeugs geplant.